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Glitzer
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Glitzer Es ist nicht alles Gold was glaenzt 15.08. - 10.09.2003 In der grossen Ankunftshalle Yangons sind Reisegruppen und einzelne Lokale zu erspaehen, doch uns duenkt, dass neben den Reisenden, Flughhafenmitarbeitern und anderen Besuchern irgendetwas fehlt. Als wir bereits draussen sind, unsere Paesse gestempelt und den Zollfakel abgegeben haben, erscheint uns das Ganze wirklich zu leer. Wir vermissen den ominoesen Schalter, bei welchem die noch ominoeseren FECs gewechselt werden muessen. Ja, die FECs... Foreign Exchange Currency oder zu deutsch Touristengeld a la Monopoly. Wir ent- scheiden uns fuers Schulterzucken und nichts dergleichen zu tun, ins Taxi steigen und in die Innenstadt brausen - Glueck gehabt. Wir koennen den obligatorischen Geldwechsel von 200 Dollar pro Person (!) umgehen und nur mit der lokalen Waehrung reisen, essen, einkaufen. Auf der rasanten Fahrt ins Zentrum erinnern uns die weiten, breiten Strassen sowie der massive Baustil an russische Architektur - viel Beton. An die 30 Grad Celsius Plus haben wir uns in den letzten Monaten gut gewoehnt. Doch die 100 % Luftfeuchtigkeit in der Hauptstadt laesst uns bereits am Morgen beim ersten Anheben der Kaffeetasse ins Schwitzen kommen! Die Schweissperlen stehen uns auch auf der Stirn als wir im Bogyoke Aung San Markt im Obergeschoss bei einem mehr als zwielichtigen Juwelier Kyat einkaufen. Trotz hartem Verhandeln ueber den Kurs gelingt es uns nicht den erwuenschten Kurs zu erzielen. Immerhin, wir erhalten knappe 50 % mehr fuer einen Dollar als der staatlich geregelte Bankkurs hergeben wuerde. Eindruecklich fuer wohl viele Burmesen und erstaunlich in unseren Augen - jedenfalls nachdem was wir ueber die rigorose Abschottung vom Ausland durch die Regierung gelesen und gehoert haben - sind die seit Ende Juni kaeuflichen Lizenzen fuer die Betreibung von Internet-Cafes. Der Zugriff aufs Netz laeuft zwar noch immer ueber den staatlichen Provider. Deswegen gilt die Zensur nachwievor fuer saemtliche Myanmar kritisch gegenueberstehenden Sites und um den staatlichen E-Mail-Dienst zu beguenstigen sind Yahoo sowie Hotmail fuer diesen Service eben- falls blockiert. Auch dies wird nur eine Frage der Zeit sein - Willkommen im 21. Jahrhundert! Das Zeitrad zurueckzudrehen gilt es bezueglich Bussen zu jeder Tageszeit und in jede Himmelsrichtung. Umgewoehnen ist angesagt. Taeglich faehrt ein Bus nach Kinpun und auch nur einer bringt uns vor dort weiter nach Bago... serioese Planung unseres Rumreisens ist gefragt, denn die 28 Tage im Land der goldenen Stupas wollen voll ausgekostet werden. Wir lassen uns die Busse also nicht entgehen und uns entgeht die Aufmerksamkeit und Freundlichkeit der Burmesen ebenfalls nicht. Auf dem Weg nach Bago bleibt die Sonnen- blende des Fotoapparates auf der Sitzbank liegen... Stunden spaeter erkennt uns der Kon- dukteur auf der Strasse wieder und drueckt uns das vergessene Teil in die Hand - ooops, tschesu temale... vielen Dank. Um sich ein feudales Leben zu finanzieren, schraenkt die Regierung nicht nur die Auswahl der Hotels und Busse fuer Touris ein, sondern auch die MPPE-Angestellten - die Tankstellen- warte - in Nyaungshwe am Ufer des Inle Sees schoepfen ihr eigenes Sahnehaeubchen ab. Die rationierten 16 imperialistischen Gallonen Benzin pro Monat und Autohalter werden statt zu 180 Kyat pro Gallone fuer alle halt zu 200 Kyat verkauft. Doch auch mit 200 Kyat sind dies noch bei weitem die billigsten Benzinpreise, welche wir je gesehen haben - auf den Liter umgerechnet bezahlen die Burmesen momentan knappe 6 Rappen! Doch weil der Moscht rationiert ist, floriert der Schwarzmarkt und einige andere sahnen ebenfalls ab... vielleicht gar noch mehr, denn illegal werden fuer das kostbare Gut etwa 30 Rappen pro Liter hingeblaettert. Myanmar hinterlaesst viele Eindruecke, doch landschaftlich duenkt uns das Land nicht allzu spektakulaer. Jedenfalls in den Regionen, welche Besuchern offiziell zugaenglich sind. Neben endlosen Reisfeldern im Sueden praegen rollende Huegellandschaften von gruenen Weiten sowie Feldern und die ueberall kreuz und quer in die Gegend gebauten Stupas das landschaft- liche Bild auf der Fahrt zu den Pindaya Hoehlen einmal anders. Das Waehrungschaos verwirrt Touristen und Burmesen gleichermassen: Kyats, FEC und Dollars sind die Drei. Offiziel entspricht ein FEC einem US-Dollar, doch da das Geld eigentlich nur auf dem Schwarzmarkt gehandelt wird, geraet das Ganze ins Wanken. Bei einem Kaffee auf der Veranda unseres Gasthauses treffen wir auf eine Israelin, die einen Tag vor uns in Myanmar einreiste und die ungeliebten FECs noch kaufen musste... Die Diskussion ueber Sinn und Unsinn des Spielgelds bringt uns auf neue Ideen und wir geraten ins Geschaeften... In Mandalay kaufen wir FECs zu einem guenstigeren Kurs als die Dollars und bezahlen die staatlichen Eintritte im Wert von Eins zu Eins gegenueber dem Dollar. Schlossamaend zahlt sich der Handel aus und wir sparen 50 % der Eintrittspreise - gutes Geschaeft, gell? Ein gutes Geschaeft machen aber auch die Nudelsuppenverkaeufer mit uns. Die feinen, aber kleinen Portionen lassen uns meistens zweimal bestellen UND zweimal essen :-) Wir lieben die burmesische Kueche und schlemmen uns durch die Strassenbuden und Nachtmaerkte: Leckere Nudelsuppen mit viel Curry, Chabis-Chnusper-Suppen, die sagenhaften Huelsenfrucht- oder Teeblaetter-Salate in Pyin U Lwin und unzaehlige Snacks fuer zwischendurch. Obwohl, von den frittierten, vor Oel oftmals triefenden Snacks haben wir nach 3 Wochen mehr als genug. Nicht zu vergessen sind jedoch die fantastischen Mangos - wir haben wohl so viele Mangos gegessen wie unser Leben lang nicht - und anderen Fruechte... Guavas, Ananas, Pomelos. Auf der Weiterreise von Pyin U Lwin naeher an die chinesische Grenze wird uns mehr und mehr klar, wer die Geschaefte in Myanmar in der Hand hat: Die Chinesen! Wie ueberall in Suedostasien sind sie die grossen und erfolgreichen Haendler. In Hsipaw werden in den Laeden fast nur chinesische Konsumgueter verkauft. Plastik-das, Plastik-dies... es scheint, als einzig Lebensmittel burmesischer Herkunft sind und auch da fragen wir uns manchmal, ob diese nicht doch aus dem Mittleren Reich herkommen. Die Naehe zur Grenze Chinas laesst uns eine weitere Spezies korrupter Offizieller entdecken: Die Kontrollpostenfunktionaere. An fast jedem der vielen Kontrollposten sitzen sie uniformiert und laessig im Stuehlchen, mit einem Tee in der Hand und wollen von Busfahrern, Lastwagen- chauffeuren oder Taxifahrern geschmiert werden, um ein problemloses Weiterfahren zu garan- tieren. Wieder unterwegs Richtung Sueden ist es uns dank diesen Kontrollstellen unmoeglich nach Monywa zu reisen. Die Demokratiebewegung Myanmars hat noch nicht resigniert. Ein offi- zieller und stattgegebener Besuch der Anfuehrerin Aung San Suu Kyi der demokratischen Opposition wird aus dem Rueckhalt durch ein vom Militaerregime vorgetaeuschter Zwischenfall vereitelt. Die Region gilt somit prompt als unstabil und wird abgeriegelt... fuer Touristen jeden- falls. Ereignisse dieser Art ruetteln und schuetteln das Land und wir wundern uns: Hat die Bevoelkerung Angst vor der Regierung oder inzwischen die Regierung ebenso vor der Bevoel- kerung? Bagan, die Hauptattraktion Myanmars und wohl auch die eindruecklichste Sehenswuerdig- keit des Landes, erwartet uns. Ueber einer Flaeche von 100 km2 verteilt, finden sich imposante Tempel, Pagoden, goldene Stupas, glitzernde Saeulen und Turmspitzen sowie alte Ruinen in einer trockenen, vereinzelt mit Bueschen und Baeumen durchsetzten heissen Landschaft am Ufer des Ayeyarwaddy Flusses. Und, die zahlreichen Postkarten-, Souvenir- und Bananenver- kaeufer wie auch die dubiosen Handleser treten sich bei manchen Monumenten beinahe auf den Fuessen rum. Die ersten Schritte des Koenigreichs von Bagan sind auf das zweite Jahr- hundert nach Christus zurueckzufuehren, doch dessen Bluete war zwischen 1057 und 1287. In diesem Zeitraum wurden ueber 13'000 Tempel, Pagoden und andere religioese Strukturen gebaut. Heute, 700 Jahre spaeter, sind noch etwa 2'200 Bauwerke erhalten. Ein Grossteil der Bauten wurde vom Ayeyarwaddy weggespuelt, Schatzraeuber trugen ihr Anteil der Verwues- tung ebenfalls dazu bei und Erdbeben wie auch die Zeichen der Zeit haben viele Monumente zu grossen und kleinen Steinhaufen verkommen lassen. Wegen der sengenden Hitze besuchen die Einen das archaeologisch gesehene Meisterwerk gemuetlich auf einer Pferdekutsche und die Anderen - sprich wir - roesseln mit dem Velo ueber Asphaltstrassen und Sandwege... Wieder mit dem Bus unterwegs besuchen wir auf halbem Weg nach Yangon die Kleinstadt Pyay. Der 10stoeckige, sitzende Buddha inmitten des Zentrums ist zwar gross, doch bei weitem nicht so imposant wie angenommen. Etwas mehr kuenstlerische Fingerfertigkeit und etwas mehr Geschmack haetten nicht geschadet. Umso interessanter sind unsere Bekannt- schaften. Mit einem Grundschullehrer reden wir bei einem Tee ueber das Land, die Leute und die Loehne. Magere 6000 Kyat - knappe 8 Franken - pro Monat verdient der gute Mann. Zu wenig, um eine Familie ueber die Runden zu bringen und der Grund, weshalb er sich mit privatem Englisch- und Nachhilfeunterricht einen Zustupft verdient. Uns wird bewusst, wie schnell zu zweit 6000 Kyat fuer eine Busfahrt ausgeben sind... ohne zu essen, ohne irgendwo zu uebernachten oder ein Eintrittsbillett fuer eine Sehenswuerdigkeit zu kaufen. Myanmar ist mehr als goldene Stupas, Ruinen und gruene Landschaften. Bilder die uns in Erinnerung bleiben, Bilder die fuer uns auch ein Teil Myanmars sind: Die strahlenden Gesichter der Leute; der Longyi, ein schlauchfoermiger Wickelrock, in allen erdenklichen Karomustern und Blautoenen fuer die Maenner und in den wildesten Blumenmustern fuer die Frauen; die hellgelbe Thanakhapaste aus dem weichen Holz des Linaria Acidissima Baumes, die als Hautbalsam, Sonnencreme und Schminke fuer Damen jeden Alters dient sowie die allgegen- waertigen Moenche in ihren roten, weinroten oder orangen wallenden Gewaendern. Bevor wir Myanmar besucht haben, trafen wir dann und wann Reisende, welche uns vom Land vorgeschwaermt haben, es gar in den Himmel hoch lobten... doch im Lande selbst hoeren wir von den Meisten das Gegenteil. Einzelne buchen gar ihren Rueckflug um, um frueher abzu- reisen. Geschichten, die wir eigentlich nur aus Vietnam kennen. Rueckblickend hat uns Myanmar gefallen, dennoch kommt immer wieder ein gemischtes Gefuehl gegenueber der Art und Weise wie man als Tourist bevormundet wird auf. Waehrend Hotelangestellte, deren Besitzer wie auch die Mitarbeiter in Restaurants und die Leute im allgemeinen herzlich und zuvorkommend sind, bekommen wir immer wieder die einschraenkenden Massnahmen der Regierung zu spueren. Seien es gesperrte Gebiete, fuer Touristen nicht erlaubte Busse, der freie Zugang zu Nachrichten oder die Korruption, welche man indirekt gezwungenermassen mitbetreibt. Wir schaetzen es sehr, dass wir die Moeglichkeit haben Myanmar zu besuchen, doch ob wir unter der momentan herrschenden Situation nochmals hingehen wuerden...?!? |