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Sabah
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Sabah Von Regenwald und Palmoel-Plantagen 01.03. - 23.03.2003 Morgens um 3 Uhr landen wir in Kota Kinabalu, in KK, der Hauptstadt vom nordoestlichen
Staat Sabah auf Borneo. In der tropischen, naechtlichen Waerme doesen wir noch bis zur
Morgendaemmerung auf der Parkbank, bevor wir uns auf in die Stadt machen und ein Zim-
mer suchen. Wie schon in Kuala Lumpur ist der Standard der guenstigen Hotels, verglichen
mit dem Standard in Indochina, niedrig... sehr niedrig. Nach langer Suche finden wir etwas
vernuenftiges - dieses Mal kein Loch in der Wand wie noch in Kuala Lumpur.
Die meisten Staedte Sabahs wurden im Zweiten Weltkrieg von den Japanern zerbombt. Die
strassenpraegenden Haeuser in den Staedten sind typische Betonkloetze aus den 50er und
60er Jahren - kein wirklich schoenes Bild. Wie schon in Bangkok durchstreifen wir die ueber-
dimensionalen Einkaufszentren in der Hoffnung neue Wanderschuhe zu finden. Trotz malay-
sischem Ausverkauf - hier Karneval genannt - bleibt unsere Suche erfolglos und langsam
begreifen wir, weshalb Asiaten in Turnschuhen und Highheels durch die Alpen spazieren:
Wanderschuhe gibt's hier nicht!
Bestaetigt wird die Vermutung bei unserer Besteigung des eindruecklichen und alles ueber-
ragenden Berg Kinabalu. In Sandalen und mit Gummifinken a la Fussballschuhe sind viele
der Malaysier unterwegs... der Schwierigkeitsgrad des Berges liegt nicht im Terrain, dennoch
setzen wir auf unser solides Schuhwerk. Mit 4100 Metern ueber Meer ist der Kinabalu nicht
nur der hoechste Berg zwischen dem Everest im Himalaya und den Gipfeln in Neu Guinea,
sondern zugleich auch einer der am Leichtesten zu erklimmenden 4000ern der Welt. Klettern
ist nicht notwendig, der Gipfel ist meist schneefrei und mit 8.7 oder 13.2 km Laenge des Wan-
derwegs ist die Distanz ebenfalls nicht zu lang. Als ungewohnt und eine Herausforderung stellt
sich die immer duenner werdende Luft heraus. Viele der lokalen Bergbezwinger, welche sich
kaum je in Hoehen ueber 1000 Meter ueber Meer aufhalten, haben dann und wann besonders
Muehe und ringen - nach 5 Minuten sinnlosem bergaufrennen - nach Luft. Zurueck zum Anfang.
Fuer uns beginnt der Weg zum Gipfel Borneos im Parkzentrum, wo wir uns einmal mehr ueber
den Titel eines Weltkulturerbes aergern: Seit letztem Jahr gehoert der Kinabalu Park zum Zirkel
der Weltkulturerbe-Staetten und somit steht einer unbegruendeten Eintritts- und Gebuehrener-
hoehung natuerlich nichts im Wege... fuer internationale Besucher kostet es ja "nur" doppelt so
viel wie noch im letzten Jahr :-( Hohe Kosten hin oder her, der Berg, seine Fauna und Flora
sowie das spektakulaere Felsplateau ab 3700 Metern ueber Meer sind einen Besuch wert.
Dank der langjaehrigen Erfahrung und des grossen Wissens unseres obligatorischen Fuehrers
ist die Wanderung nicht nur schoen, sondern auch lehrreich und interessant.
Vom langen, anstrengenden Abstieg sind wir reif fuer die heissen Quellen von Poring. Doch
statt uns genuesslich auszuruhen und den Muskelkater zu loesen, finden wir es interessanter
erneut auf Wanderung zu gehen und machen uns durch den Dschungel auf zum steilen, 3.5
km entfernten und 120 Meter hohen Langanan Wasserfall. Unsere erste Wanderung durch
den Regenwald Borneos laesst uns ueber die verschiedensten Pflanzen- und Baumarten und
"Kleintiere" am Boden staunen. Da krabbelt eine 2 cm lange Ameise und dort robbt ein Rau-
penartiges Tierchen, welches sich bei Gefahr zu einer festen Kugel von gut 4 cm Durchmesser
zusammenrollt, ueber den Pfad. Wir picknicken am Wasserfall und innert wenigen Minuten
ziehen dicke, graue Wolken auf. Kaum wieder unterwegs entdecken wir erneut - jetzt jedoch
in grosser Anzahl - eine Art Wuermer, die es auf unsere Schuhe abgesehen haben. Unsere
Schuhe? Nein, nicht eigentlich auf die Schuhe. Um unseren roten Saft geht es diesen kleinen,
hartnaeckigen Viechern! Bei Doris hat sich bereits einer an der Wade festgebissen und ist
wacker am Blut saugen. Ooops, da sind wir also auf die beruehmt beruechtigten Blutegel, die
hier nur in einem primaeren Regenwald vorkommen, gestossen. Unsere ganze Aufmerksam-
keit ist mit einem Schlag den Blutegeln gewidmet, der Muskelkater schnell vergessen und wir
im Eiltempo auf dem Rueckweg - das heftige Gewitter und dessen schwere Tropfen merken
wir kaum. Fuer den Moment wollen wir nur eines: Weg von hier! Einige der Biester haben trotz
Sauseschritt und Abschuettelversuchen den Weg zu unseren Adern geschafft und so geht's
im Zelt sofort daran bei jedem von uns vier solcher Bisse zu behandeln. Die im Wald vorkom-
menden Blutegel, zur Familie der Ringelwuermer gehoerend, sind - zum Glueck und vorallem
im Gegensatz zu den Malaria-Muecken - in keiner Weise gefaehrlich und uebertragen keine
Krankheiten oder dergleichen. Einzig muehsam ist, das durch die Fluessigkeit Hirudin leicht
zur Gerinnung gebrachte Blut zu stoppen. Faellt der Blugegel ab, gibt's ein riesiges Blutge-
schmier rund um den Biss und es dauert lange bis die Wunde aufhoert zu bluten. Ein Bad im
heissen Wasser der Quellen ist wohlverdient!
Sabahs groesster und wichtigster Wirtschaftszweig ist, noch vor der heftig kritisierten Holz-
industrie, die Gewinnung von Palmoel. Auf der 330 km langen Busfahrt von Sandakan nach
Semporna begleiten uns zur Linken und zur Rechten nichts anderes als Palmoel-Plantagen!
330 Kilometer lang... Sogar von einem umsichtigen Huegel aus erstrecken sich die dicht
stehenden Palmen bis zum Horizont – unglaublich, diese Groesse. Noch heute wird der tro-
pische Regenwald in Unmengen, bis auf den letzten Baumstamm gerodet, um den Weg frei
fuer Elaeis Guineensis, die Oelpalme, zu machen. Methoden, die uns veraltet und falsch er-
scheinen... doch um Sabahs Industrie und Ressourcen nachhaltig zu fuehren braucht’s wohl
viel, viel mehr.
Bevor wir in den spaerlichen Resten Dschungel gehen, besuchen wir die Insel Sipadan. Dem
HoerenSagenNach eines der besten Tauchgebiete der Welt. Und tatsaechlich, die Unterwas-
serfauna und -flora ist schlichtweg atemberaubend! Bereits bei unserem ersten Tauchgang
begruessen uns Gruene Bastard Schildkroeten und unzaehlige farbige, kleine und kleinste
Fische, die in und um ihre Korallen oder Anemonen verweilen. Auf den kommenden Tauch-
gaengen entdecken wir riiiesige Schwaerme von Hechten, einige Weissspitzen-Riffhaie,
grosse und dank einem “Rossgebiss” unglaublich witzig aussehende Papageifische, Wasser-
schnecken, die wie ein Stueckchen Patisserie aussehen, perfekt getartne Skorpionfische und
zu guter Letzt auch noch einen Schwarm Barracudas. Die kleine Insel, die in knapp einer halben
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Stunde umrundet werden kann, ist wie aus dem Bilderbuch: Klares, tuerkisblaues Wasser, fein-
ster, weisser Sandstrand und ein ueppiger Dschungel. Die Resortbetreiber reden Naturschutz
gross, doch sind es meist leere Worte. Denn hinter die Kulissen blickend begreifen wir, weshalb
einige Organisationen die Resorts auf der Insel schliessen moechten. Um die gut versteckten
Haeuser der Angestellten und Betreiber tuermt sich Abfall jeglicher Art: Plastik, leere Oelfaes-
ser, alte Motoren. Die drei traumhaften, aber anstrengenden Tage vergehen im Nu und wir
koennten ohne weiteres noch lange auf der Insel verweilen.
Der Urwald ruft. Wir besuchen ein Camp entlang des Kinabatangan Flusses, dem laengsten
Fluss in Sabah. Das einfach eingerichtete Camp liegt inmitten des Regenwalds, umgeben von
immer mehr Palmoel-Plantagen denn Urwald. Die urspruenglichen Einwohner, die Tiere, wer-
den auf ein immer kleiner werdendes Territorium zusammengepfaercht. Dies fuehrt dazu, dass
fuer deren Beobachten kaum noch anstrengende Wanderungen oder stundenlanges Warten
notwendig ist. Einfach in Richtung Baumkronen schauen und die Chance ist gross, Longtail Ma-
caques Affen oder Proboscis Affen zu entdecken. Die fuer uns speziellen und seltenen Voegel
wie der Nashornvogel (Hornbill) oder Kingfisher sind verhaeltnismaessig leicht zu entdecken.
Wir haben das Glueck, eine Gruppe angehender, schwedischer Biologen im Camp zu haben,
denn sie erklaeren uns Zusammenhaenge, nennen die Namen der entdeckten Tiere und sind
eine nette Gesellschaft mit welcher die Zeit im Flug voruebergeht. Der Leiter des Camps kennt
das Gebiet ziemlich gut und weiss wie und wo nach welchen Tieren zu suchen ist. Wohl der
Grund weshalb wir Tiere wie rabenschwarze Skorpione, Baumfroesche, die aussehen wie der
Baumstamm auf dem sie sitzen, Krokodile, Otter, Sumatra Pit Viper und Orang Utans zu Gesicht
bekommen. Die Orang Utans scheinen keine Freude an unserem Besuch zu haben, denn das
Junge versucht mehrmals abgebrochene Aeste auf uns zu werfen... wir haben nochmals Glueck.
Auf der Nachtsafari leuchten die gelben Augen der Krokodile, welche untertauchen sobald man
ihnen zu nahe kommt, zwei Paar kugelrunde, gelbschwarze Augenpaare verraten zwei riesige
Eulen. Am letzten Abend unserer Besuchs machen wir uns mit einer Gruppe von 12 Personen
und einem Fuehrer auf die Spur der hier ansaessigen asiatischen Elefanten. Als wir losziehen,
steht die Sonne bereits tief und kaum unterwegs hoeren wir bereits das laute Roehren einer
Herde. Am Rande einer Palmoel-Plantage treffen wir dann auf knapp 10 Stueck der grauen
Riesen und beobachten sie – wie auch sie uns beobachten – einen Moment lang. In der fort-
schreitenden Daemmerung wird es schwieriger und schwieriger etwas zu sehen und die Gruppe
macht sich auf den Rueckweg... es dauert keine 10 Minuten und unser “ortskundige” Guide
scheint sich verlaufen zu haben. Als sich der Fuehrer fuer eine neue Richtung entschliesst,
denken alle DasKommtSchonGut und sind zuversichtlich, dass wir bald wieder auf dem richtigen
Weg sind. Aber eben, weit gefehlt... wir irren im Zickzack umher und nach zwei Stunden stehen
wir wieder am Ort, wo wir die Elefanten gesehen haben. Es ist warm, regnet nicht und waehrend
es uns anfaengt zu gefallen, haben einige der Teilnehmer das Interesse am naechtlichen Aus-
flug verloren. Nachdem wir dem Fuehrer eine unserer Ersatzbaterien schenken, sieht auch er
wieder wohin er tappt und weitergeht’s. Auf einen neuen Versuch. Der ganze Spass endet, als
eine sich Englaenderin den Finger bricht und wir zur Freude einiger und Entsetzen anderer
durch huefthohen Sumpf waten. Gegen Mitternacht erreichen wir den Kinabatangan Fluss und
sind schon bald zurueck im Camp. Der Gipfel jedoch ist, als der Fuehrer trocken sagt, dass
er sich nicht das erste Mal verlaufen hat! Dabei finden sich im hiesigen, relativ kleinen und
ueberschaubaren Dschungel einige Seen, Bachlaeufe und Lichtungen, welche ideal zur Orient-
ierung dienen. Wie auch immer, alle sind zurueck, verarztet und wohlauf. Wir haben uns koest-
lich amuesiert und die Elefantensafari wird wohl jedem in Erinnerung bleiben.