Suedkueste

Im Expressbus von Hue nach Saigon

08.01. - 19.01.2003

Es ist schon eng im Bus als nur die Guetzlischachteln unter den Sitzen verstaut sind, doch nach der Grenze verstopfen auch noch die unzaehligen Kartonschachteln vom Dach den Gang - zsaemekroeglet nehmen wir die letzten paar Stunden von der laotisch-vietnamesischen Grenze bis Hue in Angriff. Muede von der langen Reise fakeln wir fuer einmal auf der Suche nach einer Bleibe nicht lange herum und landen in einem Zimmer, so neu, dass noch keine Moebel und Betten drin sind. Zu unserem Glueck hat's eine Matraze am Boden :-) Erholt nehmen wir am anderen Tag den Besuch einiger der Grabmaeler der Nguyen Lords, die von 1744 bis 1945 das sued- liche Vietnam beherrschten, unter die Pedale. In der gruenen, von Reisfeldern gepraegten und leicht huegeligen Landschaft - viel Spass beim Auf und Ab mit einem Eingaenger-Velo - liegen die mal sehr imposanten und mal weniger eindruecklichen Graeber verteilt. Im koenig- lichen Palast, der sogenannten Verbotenen Purpur-Stadt, ist von den Bauten vielfach nicht mehr viel zu sehen. Einzig die ueberwucherten Grundrisse der Residenz- oder Empfangsge- baeude sind noch vorhanden. Einige der restaurierten Nebenanlagen sind bunt und schoen, wenn auch bereits nach nur 8 Jahren wieder am langsamen Zerfallen. Hue gefaellt irgendwie, wir fuehlen uns wohl und koennten ohne weiteres noch einige Tage hier verweilen... Von Hoi An wird uns immer wieder vorgeschwaermt - also nichts wie hin! Tatsaechlich, der kleine Ort hat Charme. Das Zentrum wird von engen Gassen, chinesisch inspirierten Handelshaeusern und franzoesischen Kolonialbauten gepraegt. Und doch, die Brotverkaeufer, die abzuzokken versuchen, hunderte von Schneiderlaeden, deren Verkaeuferinnen einem be- reits auf dem Trottoir beim Vorbeispazieren ausmessen wollen und Schulkinder, die Krims- krams verkaufen nerven. Wir drehen den Spiess fuer einmal um und amuesieren uns. Auf die gaengige Frage der Kinder "Where are you from?" antworten wir "From Mars" oder "Why do you want to know that?". Beim Mars nicken sie nur und ein leises aha ist zu hoeren, doch die Gegenfrage bleibt meist unverstanden. Soviel also zum Verstehen... Am Ufer sitzend zaehlen wir mit einem Mal gegen zehn der Rotznasen um uns herum, die versuchen unsere Fragen zu verstehen und immer wieder wissen wollen "Where are you from?". Ein Durchein- ander, Gelaechter und ploetzlich taucht eine Mutter auf, die einem der Kinder etwas vom Bambuskoerbchen stibitzt, um dessen Aufmerksamtkeit bezueglich Geschaeft zu testen. Weg ist die kleine Holzpfeife und Tadel angesagt: Nichts mit amuesieren oder dem Interesse woher wir sind, nein, money is the name of the game! Der Gipfel der Sache ist jedoch, dass wir abends beobachten, wie die Eltern oder der grosse Bruder die kleinen Verkaeufer buch- staeblich einsammeln, um sie an einen anderen Touri-frequentierten Ort oder nach Hause zu bringen. In unseren Augen macht es mehr Sinn, dass sich die Erwachsenen den Finger aus dem Arsch nehmen - sprich Geld verdienen - und somit den Kinder mehr Zeit zum Hausauf- gaben machen und Lernen bleibt... vielleicht klappt's dann auch mit der Gegenfrage "Why do you want to know that?". Vietnam zum Zweiten packt uns noch immer nicht so ganz. Und unsere Plaene ueber das zentrale Hochland nach Ho Chi Minh Stadt zu reisen, lassen wir fallen. Der Grund: Am Bus- bahnhof fragen wir den Preis fuer die Fahrt nach Danang bereits wissend nochmals nach und anstelle der erwarteten 4000 Dong, werden uns 30'000 genannt - dieses Szenario eine Woche lang, Tag fuer Tag, nein danke. So buchen wir uns ein sicheres Plaetzchen in einem Bus der vielen Reisebueros und ueber Nacht machen wir uns dann auf direktem Weg nach HCMC, sprich Ho Chi Minh City. Entlang der Hauptstrasse #1 staunen wir nicht nur ueber das starke Verkehrsaufkommen waehrend der ganzen Nacht, sondern auch ueber die vielen kleinen und kleinsten Laeden, welche waehrend 24 Stunden geoeffnet haben. Morgens um 4 Uhr stoppt unser Bus fuer die langersehnte Pinkelpause, endlich. A la Hoi An verkauft eine aeltere Dame frische Broetchen. Einige Mitreisende fragen auf Englisch was es denn kostet. 2000 Dong das Stueck ist ihre Antwort. Anstandslos wird bezahlt und gegessen. Unsere mueden Augen sind mit einem Schlag wach, sind doch Brote in ganz Vietnam nur 1000 Dong... Gia bao nhieu, fragen wir auf vietnamesisch. 2000 Dong das Stueck ist die Antwort. Wir laecheln. 1000 Dong? Verkauft und genossen. So geht das! Uns wundert das Verhalten der Touristen. Reisen sie doch meist mit einem Lonely Planet durch die Gegend, in dessen Anhang die wichtigsten Uebersetzungen zu finden sind. Und doch nimmt sich kaum jemand die Zeit, um etwas weniges zu lernen, sich ueber das taegliche Leben zu informieren... gut fuers vietna- mesische Portmonee, schlecht fuer die Moral. Saigon hat uns. Warum? Wir wissen's auch nicht. Eine Stadt wie eine andere und doch irgendwie hat sie etwas... ist es der alte Name "Saigon", ist es der vietnamesische Baustil, sind es die zig-Millionen Motorraeder oder unsere Entdeckung des Tages, das Trung Nguyen Cafe hoch ueber den Daechern der Stadt? Apropos Motorraeder, stell' dir eine 7-Millionen- Stadt vor, welche ueber ein inexistentes oeffentliches Verkehrssystem verfuegt. Motos wohin man sieht, stinkige Luft wohin man riecht... das praegt die Stadt. Immerhin, ein Lichtblick ist in Sicht. Uns ist zu Ohren gekommen, dass es 300 neue OeV-Busse geben wird - hoffen wir, dass sie auch genutzt werden. Bereits am spaeten Nachmittag laesst uns ein kuehles, prickelndes Bia Hoi die drueckende Hitze leichter ertragen und so gibt's bis zum Z'Nacht einige Liter des gegaerten Saftes. Keine Angst, zum Betrinken reicht's wegen des geringen Alkoholgehaltes nicht - wie Wasser flutscht's die Kehlen runter. Wahrend wir also ein Bierchen geniessen und etwas lesen, ist auf den Strassen Saigons allerhand los: In einer Waescherei ziehen sich hinter einem Vor- hang dauernd Frauen um, im Klimaanlagen-Laden nebenan passiert stundenlang gar nichts, eine Tuere weiter sitzt eine Familie tratschend und essend auf dem Trottoir beieinander, die Fleischverkaeuferin macht der Suppenkueche platz und ein kleiner Junge schifft einem Motor- rad-Fahrer vor dessen Augen an den Pneu. Ein herrliches Bild, dem wir ewig zuschauen koennten. Es ist an der Zeit, Saigon hinter uns zu lassen. Unser Gwunder, das Mekong-Delta zu ent- decken, laesst uns noch nicht nach Kambodscha ausreisen und so geht's am naechsten Tag weiter nach Ben Tre. PS: Reist du nach Saigon und suchst den schoensten und spektakulaersten Ort, um einen frisch gebruehten Ca Phe Phin zu geniessen? Wir kennen diesen Ort und lassen dich gerne wissen, wo sich dieser versteckt hat... dna@yatraa.com