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Heilige Berge
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Heilige Berge Zwischen Pilgern und Massentourismus 23.09. - 21.10.2002 Die heiligen "Shans" - Berge - Chinas sind eine willkommene Abwechslung zu den smog-
verhangenen Grossstaedten, in denen Taxis, Busse, privater Verkehr, Wolkenkratzer,
Maerkte, Einkaufszentren und enorme Menschenmassen das taegliche Bild praegen.
Auf unserer Reise quer durch das mittlere Reich nuetzen wir die Chance den daoistischen
Taishan und Huashan sowie den buddhistischen Wutaishan und Emeishan zu besuchen
bzw. deren steinerne Treppen zu erklimmen. Ja, mit eigentlichem Wandern ist nicht viel,
denn die Chinesen scheinen Bus, Luftseilbahn oder Traeger zu bevorzugen. Doch fuer uns
geht's jeweils zu Fuss die Berge hinauf und hinunter. Uns erstaunt es immer wieder, dass
die meisten Gueter wie Lebensmittel, Abfall und auch Zementsaecke nicht mit der Bahn
oder ueber die teilweise vorhandenen Strassen transportiert werden... nein, es wird auf
den Schultern geschleppt!
Die heiligen Berge sind inzwischen eher das Ziel der Touristen als der Pilgerer. Nur noch
ab und zu sind glaeubige Buddhisten entlang der Wege auszumachen, welche nach jedem
Schritt auf die Knie fallen und sich verbeugen. Wie sehr das Leben in den Kloestern und
Tempeln auf den Glauben ausgerichtet ist, fragen wir uns manchmal ebenfalls. Die Moenche,
ob daoistisch oder buddhistisch, scheinen oft ins Touri-Geschaeft involviert zu sein und
dementsprechend geschaeftig... wir koennen es nachvollziehen, denn es ist wohl schwierig
dem Strom der Besucher zu entgehen und somit auf das Geld des Tourismus zu verzichten.
Spaetestens nach dem zweiten heiligen Berg wird uns das enorme, nicht genutzte Potential
der Alpen bewusst. Werden hier fuer den Besuch happige Eintrittspreise fuer die Region
sowie anschliessend auch noch fuer die einzelnen Tempel verlangt und sind entlang eines
jeden Weges Verpflegungs- und Souvenirstaende en masse vorhanden, scheinen uns die
frei zugaenglichen Wanderwege und das gaengige Picknick beim Wandern in den Alpen
geradezu altmodisch.
Und uebrigens, die Eintrittspreise muessten von Jahr zu Jahr um 50 % nach oben angepasst
werden ;-)
Aber dennoch, die Kulisse ist spektakulaer und ein jeder der Berge speziell, eigen.
Taishan, einige Zugstunden von Beijing entfernt in Shandong Provinz, stellt ein erstes
Stueck harte Arbeit dar. 6600 Treppenstiege ufe und die selben 6600 Treppenstiege abe.
Auf dem Gipfel werden wir von einem kleinen Dorf mit tadelloser Infrastruktur erwartet...
Hotels, Restaurants und die schon fast obligaten Souvenirstaende zieren die Himmels-
strasse. Die Nacht verbringen wir in einem mueffeligen Achterschlag - gluecklicherweise
nur zu zweit - und sind froh, uns frueh morgens zum Aussichtspunkt fuer den Sonnenauf-
gang aufzumachen. Vermuten wir die Sonne an unserem sichtbaren Horizont aufzugehen,
ueberrascht uns der knallrote Feuerball inmitten der Wolkendecke unter uns.
Wutaishan, suedlich von Datong in Shanxi Provinz, empfaengt uns bei strahlendem
Herbstwetter und ist eher eine Talebene ueber welche Tempel und Pagoden verteilt liegen
als ein Berggipfel. Am naechsten Morgen blaest ein eisiger Wind und Schneetreiben her-
rscht - hat der Winter bereits Einzug gehalten? Die 1080 Treppenstiege hinauf zum kleinen,
aber schoenen Dailuo Tempel waermen und wir hoeren gebannt dem Singen der Moenche
zu. Frueh am naechsten Morgen soll's mit dem Bus zurueck nach Datong gehen... doch
derjenige Bus der fahren sollte, faehrt nicht; dafuer ein anderer eine halbe Stunde spaeter.
Doch dieser springt auf Grund der Kaelte nicht an und nach einigen Fehlversuchen, nimmt
der Fahrer ein Stueck Draht, befestigt einen Handschuh daran und traenkt ihn in Benzin.
Dann oeffnet er die Motorhaube - im Gange des Busses wohlgemerkt - und schraubt den Luft-
ansaugschlauch ab und waehrend er den Motor startet, haelt ein anderer den nun brennenden
Handschuh an den Luftansaugort... der Motor startet mit dieser brandheissen Luft perfekt.
Dem innovativen Start vom Morgen nicht genug, beginnt nach etwa 2 Stunden Fahrt ein
riesiges Chaos auf der Passstrasse und wir stehen fast 3 Stunden an Ort und Stelle... ein
Lastwagen fuhr in einen tiefen Strassengraben und blockiert alles. Und als er endlich weg
ist, geht immer noch nichts, denn die Chinesen stehen nicht in einer Schlange im Stau,
sondern 2- bis 3-spurig auf einer engen Passstrasse! So dauert die geplante 5-stuendige
Fahrt fast 10 Stunden... naja, wir kommen auf jedenfall an...
Huashan, nach Luoyang und kurz vor Xi'an in Shaanxi Provinz. Einmal mehr fuehrt der
groesste Teil des Weges ueber Treppenstiege hinauf auf die Gipfel. Wir wundern uns ueber
die Baufertigkeit der einstigen Wegebauer... dank den Gelaendern ueberwinden auch wir den
letzten, sozusagen senkrechten Teil vor dem Suedgipfel. Eine schmale Treppe entlang des
Grates fuehrt uns zu den drei weiteren Gipfel, welche in der Naehe und Ferne von x-weiteren
Gipfel umrundet werden. Auf 2100 Metern ueber Meer setzen wir ein gemeinsames Zeichen
und befestigen ein mit unseren Namen graviertes Schloss... auf dass es haelt, bis es durch-
gerostet ist!
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Emeishan, im Suedwesten des Landes in Sichuan Provinz, zeigt sich von einer ganz neuen
Seite. Eine ueppige, extrem gruene Vegetation, feuchte Luft und Affen sind die Glanzpunkte
hier. Zu unserem Erstaunen wachsen auf knapp 3100 Metern ueber Meer noch Baeume,
doch dafuer scheint den chinesischen Touristen die Luft zum "Schnaufen" auszugehen. Mit
handlichen Sauerstoffflaschen vor dem Gesicht halten sie sich am Leben und wir staunen
Baukloetzchen! Die Nacht verbringen wir im Kloster der badenden Elefanten, das auf einer
Klippe steht und von mehr oder weniger wilden Affen umzingelt ist. Den Weg aufs WC mues-
sen wir uns regelrecht erkaempfen... ganz schoen stur die Viecher :-) Umsomehr geniessen
wir es mit dem Singen der Moenche einzuschlafen und am naechsten Morgen mit dem
rhythmischen Trommeln und Gesang zu erwachen - sagenhaft schoen.