|
» Vorbereitungen
» Reiselektueren
» Kochen
» Bye, bye Switzerland
USA
» Welcome to San Francisco
» Foster City
» Figugegel
» Half Moon Bay
» Yosemite National Park
» Berkeley
» Halbzeit !?
» Highway #1
» Pinnacles National Monument
» Sonoma und Napa Valley
» Nordkalifornien
» Oregon
» Washington
» Ha...
Canada
» Vancouver Island & Vancouver
» British Columbia & Co.
» Yukon
USA II
» Alaska
» Die Amis
Russland
» Kamchatka
» Vladivostok & Co.
Sikhote-Alin
» Khabarovsk
» Die Fernostrussen
» Nice to know
China
» Mandschurei
» Beijing & Co.
» Heilige Berge
» Yangtse-Tour
» Suedwesten
» Hong Kong
» Intermezzo
Vietnam
» Kuehler Norden
» Ha...
Laos
» Vientiane >> Nord
» Vientiane >> Sued
» Sabai dii
Vietnam II
» Suedkueste
» Song Cuu Long
» Land & Leute
Kambodscha
» Tag 356
» Die Kueste
» Phnom Penh
» Angkors Tempel
Thailand
» Bangkok
Malaysia
» Sabah
Brunei
» BSB
» Oel
Malaysia II
» Sarawak
Indonesien
» Unterwegs?
» Flores
» Diamanten...
» Dufte
» Sulsel
» Hello Mister
Singapur
» WNT2TLK
Myanmar
» Glitzer
» Die Zeitung
Bangladesch
» Stopover
Indien
» Chaos
» HP
» Ruckzuck...
Sri Lanka
» Historie
» Crocket...
» Sueden
Indien II
» Kulturtour
» Rajasthan
» Inder?
Pakistan
» 3B
» Extremisten
Iran
» Im Wind
» Historie & Neuzeit
» 1382 AHS
Tuerkei
» Querdurch
» Tuerken & Kurden
» Heimreise
Suedkorea
» Ferienreisli...
|
Sikhote-Alin
Auf den Spuren des Amur Tigers
13.08. - 29.08.2002
Abends am Bahnhof von Trudovoe auf den ersten Zug am naechsten Morgen nach
Partizansk wartend, treffen auf Nikita, einem Geologie-Studenten aus Moskau.
Nikita ist fuer sein Studi-Praktikum im fernen Osten unterwegs und offeriert uns
spontan in seinem 2-Bett-Zimmer zu uebernachten... eine echte Alternative zur
Parkbank am Bahnhof, trotz feucht-mueffeligem Plattenbau ;-) Unsere Seidenin-
lets werden uns noch einige Tage daran erinnern... Bei Brot, Kaese, Gurken etc.
reden und diskutieren wir bis spaet in die Nacht hinein. Es zeigt sich, dass nicht
nur wir von Vladivostok positiv ueberrascht sind und dass junge, "studierte" Russen
a la Nikita die russischen Teens ebenfalls nicht verstehen - es gibt anderes als
Zigaretten und Alkohol! Ihm ist bewusst, dass die Bewohner Fernostrusslands nicht
viel Gutes ueber die "Westler" - sprich Moskauer - denken... reiche, snobby Leute
und eine Regierung, die saemtliches Geld einsackt, um nichts im fernen Osten
zu reinvestieren. Doch umgekehrt ist's nicht viel besser: halten die Moskauer die
Fernostrussen fuer baertige ungebildete Jaeger, die noch immer im 19. Jahrhundert
leben. Tja, Vorurteile... trotzdem sind alle - ob im Osten oder Westen - stolz Russen
zu sein.
Nach 3 langen Stunden im Bus stehend, erreichen wir Lazo. Ein kleineres, von
6-stoeckigen Plattenbauten verschontes, Doerfchen am Rande des Lazovski Zapo-
vednik. In den Bueros des Naturreservates unterhalten wir uns mit Sergej, erhalten
interessante Infos zur Flora und Fauna sowie den Kosten. Diese sind dermassen
hoch (stolze $ 25 pro Stunde und Person), dass wir uns kurzerhand fuer drei Tage
Strandferien entschliessen. Zugegeben, es macht nicht eigentlich Sinn, den Zapo-
vednik zu besuchen, da die Flora und Fauna ausserhalb des Reservates nicht anders
ist und wir somit den Lebensraum innerhalb des Reservates nicht stoeren. Doch
einmal mehr ist es erstaunlich, wie Geld Unmoegliches moeglich macht, auch wenn
ein Zapovednik in Russland bezueglich Schutz die hoechste Prioritaet geniesst.
Umzingelt vom Land des Zapovedniks faulenzen wir am Strand bei Petrova. Weite
Sandstraende und blaugruenes Wasser in einer zauberhaften Umgebung lassen
uns ueber das etwas zu kalte Wasser der Japanischen See hinwegsehen. Nach
drei Naechten an Ort und Stelle zelten - bis jetzt ungeschlagener Rekord - geht's
zurueck nach Lazo, um Linda zu besuchen. Linda ist eine amerikanische Biologin
und unsere erste "Westlerin", die wir seit Alaska antreffen. Sie lebt seit gut 8
Jahren in Fernostrussland und arbeitet fuer diverse Tigerschutz-Organisationen.
Nachdem sie einige Jahre dem Amur Tiger mittels Radiotelemetrie auf der Spur
war, trainiert sie heute ihre deutschen Schaeferhunde, die in der Wildnis gesam-
melte Tiger-Exkremente schnueffeln, um einzelne Tiger unterscheiden zu koennen.
Viele Tiger gibt's jedoch nicht mehr zu unterscheiden. Die russo-amerikanischen
Forschungsteams schaetzen die Anzahl noch wilder Amur Tiger auf 200 bis 300, davon
sollen 6 erwachsene Tiger und 3 bis 4 Jungtiere innerhalb des Lazovski Zapovedniks
heimisch sein. Bezueglich der Groesse des Reservates eine optimale Tigerpopulation.
Mit bis zu 2.5 m Laenge und 300 kg Gewicht ist der Amur Tiger die groesste Katze
der Welt. Im Durchschnitt erlegt ein ausgewachsener Tiger 2 bis 3 Tiere pro Monat,
doch geht es auch schon mal 4 Wochen ohne Nahrung - vegetarisches steht ganz
und gar nicht auf dem Speiseplan. Nachwievor der Hauptgrund fuer die mikrigen Zah-
len frei lebender Amur Tiger ist das Wildern. Obwohl Tiger meist "nur" aus versehen
(Wilderer werden ueberrascht und peng!) geschossen werden, bildet das Abschiessen
der Nahrungsgrundlage des Tigers das eigentliche Problem. Jaehrlich werden mehr
und mehr Rehe, Wildschweine etc. abgeschossen. Das "Wild" wird nach Vladivostok
verkauft oder ist im Dorflaedeli als "Rindfleisch" erhaeltlich! Ein weiterer Grund fuer
die Dezimierung der Tiger-Population ist der Ausbau des Strassennetzes. Mehr zu
den schoenen Buesis unter Tigers in the Snow - ein sehr schoenes Buch ueber Tiger
in Fernostrussland, Riding the Tiger - dieses Buch befasst sich mit der wissenschaft-
lichen Seite der Tiger auf der ganzen Welt oder The Way of the Tiger - fuer den
Tiger-Interessierten im Allgemeinen ergaenzt mit vielen Bildern und einigen Fakten
des Buches "Riding the Tiger"... von uns fuer dich bereits quergelesen, also nicht
uebel ;-)
Von Lazo geht es nach Terney, einem kleinen Dorf an der Kueste, in welchem der
Sitz des Sikhote-Alin Zapovedniks ist. Im Gegensatz zum Lazovski Zapovednik, werden
die Tiger hier mit Hilfe der Radiotelemetrie beobachtet und die Studien laufen unter
dem Begriff "The Sibirian Tiger Project".
Bei Vollmond besuchen Yevgenis Bienenfarm und haben das Glueck, dass am Abend
ein kleines Fest stattfindet... so bekommen wir alle moeglichen Produkte zu sehen und
zu probieren, welche er herstellt. Besonders Gefallen finden wir an seinen guten und
hochprozentigen Schnaepsen aus Honig! Verschiedene in den Waeldern Terneys ge-
sammelte Kraeuter werden eingelegt und so bekommen die Schnaepse eine medizinische
Wirkung und ihren Geschmack. Nicht nur diese duerfen wir probieren, nein, auch Honig
samt Wabenstruktur kosten wir und Limmonik, eine Art Sirup, der aus Beeren gemacht
wird gibt's zum Trinken. Je nach konsumierter Menge wirkt Limmonik blutdrucksenkend
oder -erhoeend... auf jedenfall mundet uns das warme Getraenk sehr gut.
Am Blagodatnoe See, 15km suedlich von Terney, treffen wir auf unsere ersten Tiger-
spuren... wenn diese auch schon aelter sind. Der See liegt eigentlich innerhalb des
Zapovedniks, doch die Bevoelkerung darf gegen eine kleine Gebuehr (und Besucher aus
weiter Ferne fuer eigentlich eine hoehere Gebuehr, die in Begleitung ansaessiger um-
gangen werden kann) an Kueste der Japanischen See und sowie an den Blagodatnoe
See. Der Strand ist steinig und laesst den weissen Sand von Lazo fast etwas vermissen.
Die Buschlandschaft und huegelige Umgebung des Salzsees Blagodatnoe laden uns
zum Umherstreifen ein.
Erholt machen wir uns anderntags mit dem Bus und anschliessend mit dem Zug auf
nach Khabarovsk, unserem letzten Ziel in Russland. Zwei lange Tage unterwegs und
zwei lange Naechte in Bahnhoefen stehen uns bevor.
|