Yukon

Im Goldrausch

22.05. - 6.06.2002

In Whitehorse erkundigen wir uns ueber die Moeglichkeiten im Yukon River zu kanuen. Da Lake Laberge zu einem Teil noch immer zugefroren ist, aendern wir unsere Route spontan und fahren zum Ausgangspunkt des beruehmt beruechtigten Chilkoot Trails in Skagway, Alaska. Zur Zeit des grossen Klondike Goldrush von 1897-98 stroemten tausende wage- mutige Goldsucher aus den USA, Kanada und einigen europaeischen Laendern in das Enge Tal bei Dyea. In Dyea und entlang des 50 km langen Chilkoot Trail bildeten sich schnell grosse Camps, in welchen sich die Goldsucher - auch Stampeder genannt - auf die Ueberquerung des Chilkoot Passes vorbereiteten. Ein schwieriges, kostspieliges und gefaehrliches Unterfangen. Die Kaelte, zu- gefrorenen Fluesse und meterhohen Schneeberge entlang des dritteinzigen, gletscherfreien Trails zu den Goldfeldern im Norden des Yukon Territory, liessen die tapferen Stampeder schwer arbeiten. Ein jeder musste an die 1000 kg Proviant und Ausruestung mit sich bringen bzw. schleppen, um ueberhaupt fuer die Ueber- querung des Passes nach Kanada zugelassen zu werden. Bereits vor dem grossen Gold gut situierte Stampeder konnten es sich leisten, die Waren mit einer Art Seilbahn auf den Pass transportieren lassen... doch die meisten rackerten tagein, tagaus und stampften bis zu 40 Mal den Weg vom letzten Camp auf den 1100 m.ue.M. liegenden Pass und zurueck. Mit einer "Wanderkarte" und nur einigen Kilo Proviant ausgeruestet, machen wir uns auf die Spuren der Goldsucher. Wir sind zwar nicht mehr im Winter unterwegs, doch offiziell ist der Wanderweg erst ab Juni geoeffnet, sprich der Pfad auf den Pass ist noch nicht durch die National Park Services der USA und Kanada ausgeflaggt. Die ersten 20 km fuehren uns entlang des Taiya Rivers durch ein bewaldetes, relativ enges Tal. Von Zeit zu Zeit entdecken wir Fischknochen, welche wohl die Ueberbleibsel vom Z'Mittag einiger Baeren vom letzten Herbst sind. Im Sheep Camp, dem letzten vor dem steilen Aufstieg, treffen wir auf Raffaela und Juerg. Die beiden sind soeben vom Versuch ueber den Chilkoot Pass zu kommen zurueck- gekehrt... zu schlechte Sicht und zu weicher Schnee, trotz Schneeschuhe. Nach einem gemuetlichen Abend am warmen Ofen des Shelters (eine Art geschlossener Unterstand) goennen wir uns etwas Schlaf... wir sind ja gespannt, was uns erwartet! Morgens um 4 Uhr geht's los. Knappe 30 Minuten unterwegs rennt ein Schwarz- baer etwas weiter vor uns weg und entschwindet in den Bueschen. Mit etwas Herzklopfen, 1:1 ist's anders als noch aus dem Auto, laufen wir ein Stueck zurueck, filtern Wasser und machen uns anschliessend wieder auf den Weg - der Baer weit weg. Der Schnee ist zwar noch gefroren, doch bereits ab 500 m.ue.M. bekommen auch wir es mit dichtem Nebel zu tun... langsam, aber stetig stampfen wir unseren Weg dank Karte, Kompass und Hoehenmeter Richtung Passhoehe. Die letzten 100 ungespurten Hoehenmeter - The Golden Stairs genannt - sind extrem steil und das Laufen samt Pack noch anstrengen- der als sonst. Kurz vor Mittag ist's geschafft - wir sind auf dem Chilkoot Pass. Da und dort entdecken wir Artifakte aus der Goldgraeberzeit. Die Sicht ist schlecht wie noch nie und wir koennen die Passhuette nicht ausmachen. Ueberall sind Schneeverwehungen zu erkennen, ein eisiger Wind weht uns um den Kopf und weil wir kein unnoetiges Risiko eingehen wollen, entscheiden wir uns umzukehren... Pech! Kaum zwei Stunden zurueck im Camp verziehen sich die Wolken und ein stahl- blauer Himmel zeigt sich uns - nicht ganz fair, oder? Auf dem Rueckweg nach Dyea treffen wir nochmals auf Raffaela und Juerg. Der Chilkoot Trail sollte uns allen verwehrt bleiben; ein Grund uns ein in Skagway gebrautes Hefe- und Weizengetraenk zu goennen. Ueber den Alaska Marine Highway - sprich via Faehre - gelangen wir nach Haines. Vom Besitzer eines Ladens fuer Native Arts und Holzschnitzereien erfahren wir, dass bis auf eine handvoll saemtliche Laeden in Skagway in Besitz der Kreuzfahrtgesellschaften sind. Schade, schade... doch wir vermuten darin den Grund, weshalb uns Skagway wie ein zweites Ballenberg vorkam - vielleicht etwas touristischer und mehr aufs SchnelleGeldmachen orientiert. Wieder zurueck in Whitehorse wollen wir es nochmals mit dem Kanufahren probieren, um die Reise der Goldgraeber auch auf dem Wasser zu erleben. Lake Laberge ist seit 2 Tagen eisfrei und so mieten wir ein Kanu, stocken unsere Vorraete auf und packen alles moeglichst wasserdicht ein - ready to go! In sieben Tagen paddeln wir die gut 300 km lange Strecke von Whitehorse nach Carmacks. Das Gebiet ist groesstenteils voellig unbewohnt und so versinken wir in der Ruhe. Natur UND Moskitos pur... ja ja, erstmals machen uns die kleinen Biester das Leben schwer. DEET sei dank, auch wenn wir nicht wissen moechten was die Fluessigkeit alles enthaelt. Immerhin, es nuetzt! Der Fluss ist sehr ruhig, auch fuer Anfaenger wie uns relativ leicht zu paddeln und wir kommen gut voran. Auf dem See wird's auf Grund der Wellen und etwas viel Gegenwind ziemlich anstrengend. Wir lassen uns nicht unter- kriegen und zelten nach den ersten 25 km mit Aussicht auf Lake Laberge. Doch wenn man ins Wasser faellt, hat man eine Ueberlebenschance von knapp 3 Minuten, da der See bzw. der Fluss nur etwa 5 Grad "warm" ist. Zwei Daenen mussten dies leider feststellen... zusammen mit einem deutschen Paddler finden wir Teile deren Gepaecks sowie die Unterlagen fuer die ge- plante Reise ueber 3000 km zur Bering See... und etwas spaeter findet die Polizei dann auch den Rest... s'haette nicht sein muessen und macht uns nachdenklich. Trotzdem lassen wir uns die Freude am Paddeln nicht nehmen und geniessen das Unterwegssein ohne den Rucksack zu tragen. Von Mueckenstichen geplagt und mit gestaerkten Bizeps erreichen wir nach sieben mal leicht bedeckten, mal sonnigen Tagen Carmacks. Kaum aus dem Kanu raus, faengt es an zu regnen. Du kannst dir vorstellen wie froh wir sind, als uns jemand nach knapp dreiviertel Stunden stoeppeln bereits mit nach Whitehorse zurueck nimmt.