Washington

The Evergreen (Everrain!?) State

6. - 26.03.2002

Zum grossen Teil wird die Grenze zwischen den Staaten Oregon und Washington durch den Columbia River gepraegt. Der ueber 2000 km lange Fluss beginnt seinen Lauf in Kanada, gewinnt mehr und mehr an Groesse und wird bis Portland von Frachtern befahren. Beruehmt und gefuerchtet wegen seinen stuermischen Launen im Bereich der Muendung in den Pazifik fordert er heute dank moderner Navigationshilfen weit weniger Schiffsbrueche als noch zur "weissen" Pionierszeit in der zweiten Haelfte des 19. Jahrhunderts. Der Columbia River hat jedoch noch aus einem weiteren Grund traurige Beruehmtheit erlangt. Noerdlich der Tri-Cities (Kennewick, Pasco und Richland) diente eine riesige Flaeche namens Hanford Reservation der amerikanischen Regierung ab 1942 als Brutstaette fuer die ersten Atombomben sowie fuer die weltweit ersten Kernkraftwerke. Millionen von Tonnen radioaktivem Abfall wurden einfach in Tanks vergraben, welche heute lecken. In den 1980er Jahren wurde der letzte Reaktor abgestellt und die USA musste zugeben, dass hunderte von "Unfaellen" geschahen. Der Columbia River galt damals als einer der radioaktivsten Fluesse der Welt. Die Einwohner, einst stolz auf ihre patriotische Arbeit, versuchen nun zu klagen. Fuer die Aufraeumarbeiten werden mehr Personen beschaeftigt als zur Produktion je noetig waren. Da das Gebiet groesstenteils unangestet blieb, ist heute eine einmalig gewordene Buschlandschaft zu sehen. 300 km2 sind nun zum (radioaktiven?) Nationalpark erklaert... Im trockenen Suedosten von Washington, im Yakima Valley,ist neben Kalifornien eines der besten Rotwein-Anbaugebiete - dank weitreichenden Bewaesserungssystemen - der USA zuhause. So lassen wir es uns nicht entgehen bei der Sageland's Vineyard Winery einen zwar noch zu jungen, doch erstaunlich gut mundenden 1999er Cabarnet Sauvignon zu probieren. Der sonnenreiche mittlere Sueden Washington's goennte uns nach eisig kalten Tagen entlang des Columbia Rivers eine Verschnaufpause bezueglich harschem Klima, doch bereits am Fusse des Mount Rainier erwartet uns bereits wieder ein Schneesturm. Deshalb heisst's fuer uns nichts wie los ins Sportgeschaeft, um Schneeschuhe zu mieten und samt Kompass und Karte die Gegend rund um White Pass unsicher zu machen. Es geht auf und ab, zwischen Baeumen hindurch und auch schon mal quer ueber eine der Langlaufloipen. Uns macht's "ghoerig" Spass und falls uns der Winter nochmals so richtig einholen sollte, wer weiss... Vom Regen in die Traufe oder so aehnlich erwartet uns an Washington's Kueste Dauerregen. Inzwischen sind wir ja schon ganz gut daran gewoehnt und deshalb kuemmert uns das bisschen Wasser auch nicht weiter. Im Gegensatz zu Oregon ist die Kueste kaum felsig und weit herum meandern Fluesse und Fjorde zum Pazifik. Die Berge von Muschelschalen bei South Bend, suedlich von Raymond lassen uns aufmerksam werden und schon bald entdecken wir die groessten Oyster-Farmen entlang des pazifischen Nordwestens. Der Duft in der Luft und eine Werbetafel mit der Aufschrift "Fresh Oysters" lockt uns sonntags um 8 Uhr in der Frueh in einen kleinen Laden, wo wir dann auch 6 Exemplare samt Schale und ein Pint frische, geoeffnete Oysters kaufen. Die Muscheln mit den Schalen geniessen wir roh zum Mittagessen. Mit dem Resultat zerkratzer Finger und verkruemmten Gabeln... ohne geeignetes Werkzeug lassen sich diese Dinger scheinbar nur schwer oeffnen. Weiter noerdlich befindet sich der Olymic National Park, welcher einen temperierten Regenwald beheimatet. Die Landschaft ist wirklich speziell: Extrem dicht und hoch sind Stika Spruce (Fichte), Hemlock (Schierling), Red Cedar (Zeder) sowie Maple (Ahorn) als meistverbreitete Baumarten zu finden. Die mit Moosen behangenen Baeume bekommen im Jahr bis zu 3.5 m Regen! Man stelle sich nun das "nasse" San Francisco mit 60 cm Regen pro Jahr vor ;-) Regen genuegte uns scheinbar nicht - unser Zelt wurde sogar mit Hagel konfrontiert... und hat es bestens ueberstanden. Witzigerweise gibt es ein Dorf namens Sequim, wenige Kilometer nord- oestlich des Regenwaldes, welches 300 Tage Sonnenschein und nur knappe 40 cm Regen im Jahr hat. Selbst wir haben dort wiedermal die Sonne gesehen! Doch weiter Richtung Osten wird das Wetter (und die Stadt) wieder graeulich... Da uns Tacoma gar nicht gefaellt, ziehen wir gleich weiter nach Seattle. Eine grosse Stadt auf engem Raum und dem dazugehoerenden Strassenwirrwarr. Es wird gemunkelt, dass Los Angeles direkt angenehm fuer Autofahrer sei und wer schon mal da war, weiss wie verstopft LAs Strassen sind. Auf der Suche nach einer Unterkunft macht uns unser Lonely Planet gleich zweimal einen Strich durch die Rechnung, indem er zwei Hostels auffuehrt, welche es schon seit Jahren nicht mehr gibt. Die Unterkuenfte sind generell extrem teuer, unser Hostel "Green Tortoise" inklusive. Unser erster Eindruck Downtowns faellt etwas negativ aus, ganz im Gegensatz zu Portland. Rund um Pike Market und im Zentrum sind (leider) wieder viel mehr Obdachlose zu sehen - scheinbar ueblich fuer eine moderne, fortschrittliche amerikanische Grossstadt. Seattle's Klima ist ja bekanntlich ziemlich nass, jedoch auf Grund des Pazifikeinflusses im Winter nicht so kalt... und trotzdem schneit es Mitte Maerz! Mit wenig Lust auf Kaelte und noch weniger Lust auf zu erledigenen Reisebuerokram - muss von Zeit zu Zeit auch sein - klemmen wir uns den Telefonhoerer ans Ohr oder surfen in der Public Library. Das Sightseeing verlegen wir auf bessere Tage. Auf unserer ersten eigentlichen gefuehrten Touri-Tour, welche uns die Unterwelt von Seattle naeher bringt, erfahren wir interessantes zur Geschichte von Seattle. Hast du Lust und Laune eine Tranche Geschichte zu lesen? Dann nichts wie ran... Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Stadt von Zuwanderern (Pioneers) der amerikanischen Ostkueste gegruendet. Die neue Siedlung boomte und breitete sich schnell ueber die Wetlands (Sumpf und Morast) aus. Von Anfang an verursachten die Gezeiten unangenehme Dueftchen im Zusammen- spiel mit der Kanalisation, die eigentlich keine war. Stank es zu Beginn "nur" bei Ebbe, verschaerfte sich das Problem mit der Einfuehrung des "Crapper" (die nach dem Englaender Thomas Crapper benannte WC-Schuessel). Das uebel riechende Problem kam nun bei Flut zu tragen... dank des Drucks wurde die Scheisse (wortwoertlich) zurueckkatapultiert! Ein Schauspiel bei dem wir nicht Zeugen sein moechten... 1889 zerstoerte ein Grossbrand den Grossteil der Stadt und das Stadtparla- ment beschloss das neue Seattle auf hoeherem Level zu bauen, um dem Kanalisationsproblem Herr zu werden. Lange Zeit konnten sie sich nicht auf eine bestimmte Hoehe - 3 bis 10 Meter standen zur Diskussion - einigen. So wurden die neuen Haeuser mit zwei Parterres gebaut. Ein Parterre auf dem alten Level und ein 2. Parterre irgendwo auf dem erwarteten Level. Die "feuersicheren" Backsteinhaeuser standen laengst, als die Stadt sich auf eine Strassenhoehe einigte und endlich zu bauen begann... bis das Geld fuer den Bau der Trottoirs ausging. Waehrend mehreren Jahren war Seattle's Stadtbild von Haeusern mit zwei Etagen, einer Fuss- gaengerzone auf altem Level und einer neuen Strasse auf etwa 3 Metern gepraegt. Ganz schoen muehsam von einer Seite der Strasse auf die andere zu gehen! Die Leiter 3 m hoch, ueber die befahrene Strasse und wieder 3 m die Leiter runter... wenn das nur gut geht. Es dauerte fast 10 Jahre bis alles dem neuen Level angepasst war! Heute kann auf der Underground Tour das damalige Parterre angeschaut werden. PS: oyster ['oiste'] n Auster f