Heimreise

Bulgarien... Rumaenien... Ungarn... Oesterreich... Schweiz

06.04. - 13.04.2004

Die Devise von heute: Packen. Und zu packen gibt es viel. Unsere Rucksaecke sind schwer. Gefuellt mit Kleinigkeiten fuer unsere Lieben zu Hause und Leckereien der Tuerkei... Pistazien, Lokum, Feigen, Rotwein und Rosenkonfi. Und natuerlich mit unserer gesamten Ruschtig. Vom Zelt und Maetteli, bis zu den Schlafsaecken, der Waesche, unserem Medizinbuch, den hundert- undein Saechli fuers Flicken, Ersetzen oder Gebrauchen sowie den Wasserbeuteln und dem Kocher samt Pfanne, Kelle und gemahlenem Kaffee und, und, und. Den Nachmittag ueber nehmen wir es gemuetlich. Wir flanieren entlang der Istiklal Caddesi und schluerfen eine ultrafeine Cafe Latte im Gloria Jeans. Die letzten Mitbringsel sind in der Tasche und wir parat, um aufzubrechen. Zweiundzwanzig Uhr null drei. Der Orientexpress faehrt puenktlich ab. Los geht's. Wir haben nicht nur das Sechserabteil fuer uns alleine, nein, sogar fast den ganzen Wagen! Neben uns zwei ist nur ein weiterer Fahrgast und der Schlafwagenkondukteur anwesend. Die vom toetoem- toetoem-toetoem-Nachtruhe waere wohl zu perfekt, darum steigt noch an der tuerkischen Grenze eine Schmugglerbande zu! Morgens um ein Uhr schleipfen die acht bis zehn Personen etliche uebergrosse Reisetaschen quer durch den schmalen Gang des Wagons. Die gellende Stimme der Chefin ist unueberhoerbar und das Poltern an die Abteiltuere laesst uns ein-, zweimal auf- schrecken. Einige Bahnkilometer weiter an der bulgarischen Grenze wird die Gruppe ruhig, stellt sich schlafend. Die Grenzbeamten "kontrollieren" die maeuschenstillen Abteile mit Taschenlampen und finden nichts... Als die Inspektion vorbei ist und der Zug weiterrollt, ohne dass die Zoellner etwas bemerkt haetten, wird unsere polternde Schmugglerin mit einem Male wieder laut. Diesmal jedoch klingt sie aufgestellt und froehlich. Doch schon beim ersten Halt in Bulgarien geht der Spuk wieder von vorne los: Die Tonnen von Ware werden im gleichen Stil ausgeladen. Laut und schnell. Inzwischen haben wir so viel Verspaetung eingeholt, dass wir uns am Morgen fragen, ob wir den Anschlusszug in Bukarest noch erwischen werden. Unser Schlafwagenkondukteuer meint nein, der Schaffner der 1. Klasse, ja... ja, was denn nun? Fuenf Stunden spaeter wissen wir's: Es reicht! Ganze zehn Minuten bleiben uns, um das Peron zu wechseln und uns im naechsten Sechserabteil niederzulassen. Und wieder haben wir ein ganzes Abteil fuer uns alleine. So langsam gewoehnen wir uns an den Komfort und machen es uns auch schon bald samt Leintuch, Wolldecken und frisch bezogenem Kissen bequem. Und abgesehen von den obligaten Passkontrollen mitten in der Nacht schlafen wir wie Steine im komfortablen, rumaenischen Liegewagen. Grenze fuer Grenze lassen wir hinter uns und in Budapest sowie Gyoer heisst es nochmals umsteigen, bevor wir nach insgesamt 38 Stunden auf den Schienen der Oesterreichischen Bundesbahnen den Suedbahnhof von Wien erreichen. Noch am Bahnhof wird uns schnell bewusst, dass wir uns in Westeuropa befinden. Auf die Frage, ob sie denn eine Stadtkarte von Wien habe, meint die Schalterdame: "Seelbstver- steendlich, bit' schoenn. Einen schoenen Aufenthaalt in Wien. Auf Wiederseehn." Es ist lange her, dass wir ohne weiteres zu einer tauglichen Strassenkarte gekommen sind und diese "selbstverstaendlich" gratis abgegeben wird. Westeuropa revanchiert sich umgehend: Die 1.50 Euro fuer eine Kurze U-Bahn-Fahrt gehoeren eben auch dazu. In der Naehe des Praters zu Fuss unterwegs, muessen wir uns richiggehend beherrschen nicht bei Rot ueber die Strasse zu spazieren. Umgekehrt haben wir fast vergessen, dass bei einem Fussgaenger- streifen ohne Ampel die Fussgaenger Vortritt haben... Autos, die wegen Fussgaengern anhalten?!? So etwas... Das gesuchte rosarote Haus finden wir auf Anhieb. Die Klingel ebenfalls und ruckzuck stehen wir bei Birgit und Bernd in der Tuer'. Zur Akklimatisation duerfen wir einige Tagen bei und mit unseren Indian Railway-Kamelsafari- und Udaipur-Freunden verbringen. Es gibt viel zu erzaehlen und viel zu schlemmen - feinste Kaerntner Nudeln, Osterschinken und Eiermotschka samt Unmengen an frisch gebruehtem Kaffee. Beim vergnueglichen Osterhasensuchen und Herum- kurven durch das Kaerntnerland amuesieren und erholen wir uns praechtig und gewoehnen uns ein wenig an die vertrautere Kultur. Und sowieso, die fuenf Tage mit den beiden gehen viel zu schnell vorbei. Von Wien bekommen wir nicht allzu viel mit, aber positiv betrachtet, ist dies ein Grund mal wieder zurueckzufahren und es bei einem naechsten Mal "besser" zu machen :-)) Aber nun ist der da, DER Tag, der DiensTAG, der 13. April 2004, an dem es heisst uns von Birgitt und Bernd zu verabschieden und uns nach einer (zu) kurzen Nacht "Tschuessipapa" zu sagen, um in die Schweiz zu fahren. Der Tag beginnt frueh, aber gut und als wir um die Ecke laufen steht auch schon die Strassenbahn da. Am Bahnhof noch schnell die Kronenzeitung sowie ein Kuerbiskernenbrot und zwei Semmeln gekauft, suchen wir auf dem Perron unser Zugabteil. Irgendetwas scheint mit unserer Reservation nicht zu stimmen, denn unsere Sitzplaetze befinden sich im Wagon 310, welcher 1. Klasse ist, unsere Billete sind aber nur fuer die 2. Klasse gueltig. Kurz beim Zugbegleiter Schaffner nachgefragt, geht das in Ordnung und wir koennen 1. Klasse reisen! Auf den bequemen Ledersesseln doest es sich natuerlich nochmals besser... Und aktueller Lesestoff kommt neben Kaffee aus dem Pappbecher auch noch anserviert. Die Fahrt ist ruhig, fast schon gemaechlich. Die engen Taeler des Vorarlbergs ziehen an uns vorbei und nach dem un- spektakulaeren Grenzuebergang in Buchs kommt uns der eine oder andere Ort auch schon bekannt vor. Doch der erste Eindruck der Schweiz ist ernuechternd. Entlang des Zuerichsees sind die Hausmauern ganzer Doerfer versprayt und generell haben viele Bauten einen neuen An- strich noetig. Zu guter Letzt duenkt uns der Baustil eng und einengend. Aber aebe, so ist's halt und neu ist die Tatsache ja eigentlich auch nicht... vielleicht einfach ungewohnt?! "Zuerich Haupt- bahnhof", toent es aus dem Lautsprecher. Jetzt wird's ernst, aber Moment... wie bitte? Der Zug nach Luzern faehrt auf Gleis 53? Haben wir richtig gehoert? Tja, gewisse Dinge aendern sich also doch. Tiptop geplant erhaschen wir im Pendlerzug gerade noch zwei Plaetze und fahren schlussendlich doch noch nach Luzern. Vorbei an Thalwil, dem neuen Zuger Bahnhof, von welchem wir zwar von der Glaswand aus der Ferne imponiert sind, nicht aber von den dunkel gestalteten Perrsons, treffen wir - typisch schweizerisch - ueberpuenktlich am Bahnhof Luzern ein. Auf unsere postali- schen Gruesse hin, haben sich unsere Eltern, Geschwister, Verwandte, Freunde und Bekannte am Gleiskopf versammelt. Fahnen schwingend, Ballone steigen lassend und freudig lachend werden wir herzlich willkommen geheissen. Den Rest kannst du dir denken...