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1382 AHS
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1382 AHS Freitags geschlossen 09.02. - 08.03.2004 / 20.11. - 17.12.1382 Von Pakistan her kommend, sind wir erstaunt, dass verhaeltnismaessig viele Frauen in den Strassen unterwegs sind und modische - in europaeischen Augen - Kleidung tragen. Wir sichten waehrend der vier Wochen keine einzige Burkha, doch aufgrund der Trauertage um Eman Hossein laeuft momentan das halbe Land ganz in schwarz durch die Strassen. Maenner wie Frauen. Bei Hausbesuchen zeigen sich die Frauen sofern sie nur in der Gesell- schaft von Doris sind offen und ohne Kopftuch... Sobald Aldo auftaucht, wird sofort vermummt. Doris steht frei in der Wohnung ohne rumzulaufen. Auch in der Gegenwart "fremder" Maenner. Grundsaetzlich, so erzaehlt uns Rezvan, tragen die Frauen im Hause weder das Magnae (Kopftuch) noch den Tschador (Zelt). Einmal ausser Haus, sieht es ganz anders aus. Doch die von der Regierung auferlegte Verschleierungspflicht veraendert sich bezueglich Inter- pretation von Stadt zu Stadt: Waehrend Qom und Kashan extrem konservativ sind, sind Kerman, Shiraz und auch Terhan sehr progressiv... verhaeltnismaessig. In Shiraz staunen wir manchmal gar darueber, wie weit hinten das Kopftuechli noch auf dem Kopf haelt! Weiter zurueck geht kaum noch, denn sonst wuerde das bisschen Stoff wohl eher zum Halstuch degradiert. Trotz Magnae erkennen und treffen wir erstaunlich oft und immer wieder auf andere Back- packers. Und nur sie. Die auslaendischen Tourgruppen sind nicht gekommen, zeigen dem Land den Ruecken. Und wenn sich dann doch eine Gruppe wagt, ist es meistens kaum ein Zusehen. Die Ladies scheren sich - wie's scheint - einen Deut um die lokalen Sitten und laufen in knappen Kitteln und manchmal gar ohne Kopftuch herum! Doch was will ihnen der islamische Staat anhaben? Sind gute grosszuegige Zahler und bringen so Geld... Da kann man schon so manches Auge zudruecken. Der Iran ist unser erstes Land, im welchem der Gregorianische Kalender mehrheitlich un- bekannt ist und im oeffentlichen Bereich kaum genutzt wird. Offizielle Daten orientieren sich am Persischen Kalender. Dieser nahm seinen Lauf als der Prophet Mohammed von Mekka nach Medina flog, ein Ereignis mit dem Namen Hejira. So begann die Kalenderzaehlung des Muslime 622 nach Christus mit dem Jahr Null. No Ruz oder Neujahr faellt im Persischen Kalender auf den 21.3. und ist einer der wichtigsten Feiertage im Iran. Aber aufgepasst, der fuer religioese Daten verwendete Muslimische Kalender ist nicht derselbe wie der Persische Kalender. Die Zaehlung begann bei beiden mit der Hejira, doch waehrend die persische Ver- sion nach der Sonne geht, geht die muslimische nach dem Mond. Dies fuehrt dazu, dass der Persische Kalender heute etwa 40 Jahre zurueckliegt. Dazu kommmt, dass im Iran die Zahlen und somit auch das Datum in persischer Schrift geschrieben werden... Man kontrolliere, ver- gleiche und finde nun rasch das Datum des Einreisestempels... 20.11.1382 ;-) Ein wahre Freude - in unseren Augen - ist die Infrastruktur des Landes. Die Strassen sind geteert und die Busse oft neuen Datums, zahlreich, schnell und - Dank dem, dass Benzin billiger ist als Wasser! - guenstig. Die Parkanlagen sind unterhalten und gepflegt, es gibt funktionierende oeffentliche Einrichtungen wie Bibiotheken. Verglichen mit seinen Nach- barlaendern geht es dem Iran gut, der Standard ist relativ hoch und "was man so braucht, hat man". Ganz nett... eigentlich. Und doch, die Studierten und gut Betuchten wandern auf schnellstem Wege aus! Der sogenannte Brain Drain - die Abwanderung von Wissen ins Ausland - ist eines der tragischen Probleme des Irans. Relativer Wohlstand, Anreize durch billige Energie und Lebensmittel scheinen die wissensbegierigen und frei denkenden Iranis des 21. Jahrhunderts nicht zu halten. Die eine Seite der Medaille. Die Kehrseite sind die vielen auferlegten Verbote und Gebote der Regierung. Wir staunen, wie offen viele Iranis mit uns ueber das Thema reden, die Diskussion manchmal auch suchen. Fuer uns alltaegliche Artikel oder Gegenstaende sind verboten, strengstens verboten. Einige Beispiele sind Jasskarten, alkoholische Getraenke und Satelittenempfaenger. Doch auch im Iran gilt wie anderswo: Wer weiss wo und ueber genuegend Mittel verfuegt, kriegt wonach gesucht wird. Schenken wir einigen lokalen Aussagen glauben, sollen gar 4 % der Bevoel- kerung alkohol- und/oder drogenabhaengig sein! Doch die Mullahs, die religioesen Fuehrer des Landes, kommentieren den Umstand nicht einmal. Totgeschwiegen wird die Situation, weil ein Zugeben solcher Probleme in der islamischen Republik Iran schlicht und einfach undenkbar ist. Die Verlockung des Verbotenen ist gross. Verlocken lassen wir uns von etwas anderem kaum. Das in den Restaurants aufgetischte Essen laesst meistens etwas bitten... Chelo Kebab, mal mit Lamm, mal mit Huhn oder Pizza, Hamburger und Sandwiches serviert mit einer Iran Cola, einem Zam Zam oder wie die Eigen- marken der Coca Cola und Fanta-Immitate sonst noch benamst werden... Ausser man darf sich am hausgemachten Essen bei Iranis zu Hause erfreuen :-)) Die Einen erachten es als praktisch, in unseren Augen ist es eher schlechter Stil. An Busstopps wird frisch froehlich aus der Dose gegessen - kalt und nach Weissblech schmeckend! Nicht aus der Dose, sondern aus Bam stammen die hingegen sensationell feinen und frischen Datteln. Ein im Mund zer- fliessende Delikatesse der Extraklasse. Aber auch die getrockneten Feigen, die Pistazien und andere Nuesse sind aeusserst gut. Bananen, von Asien herkommend faellt uns das einfach auf, sind verhaeltnismaessig teuer und werden vielfach als einzelnes Stueck verkauft... Wo man noch weiter oestlich froh sein konnte da und dort vielleicht nur einen halben Bund mit 8 oder 9 Bananen zu erhalten. Dafuer ist dann aber alles andere mit Bananengemschmack zu haben: Kaugummi, Guetzli, Shakes, Tabak, Seife... Ungeschriebene Gesetze, traditionelle Gepflogenheiten lassen scheinbar nur Maenner am Stumpen ziehen, wie auch Maenner generell nur Maenner ansprechen und Frauen Frauen. Positiv ueberrascht sind wir, dass die Iranerinnen sehr gespraechig zu sein scheinen. So oft wie uns, beziehungsweise Aldo, Maenner ansprechen, so oft sprechen Doris Frauen an... mindestens. Unsere Begegnungen mit den Einheimischen sind sehr gemischt. Da treffen wir auf geniale Leute, die begreifen, dass Religion Privatsache ist und sein sollte und andere hingegen denken, dass der Islam der einzig wahre Glauben, schlicht alles ist und fuer jeden Erdenbuerger das Beste sei. Meist lassen wir das Theme so oder so gut sein und halten uns mit Bemerkungen und eigenen Ansichten zurueck. Nicht zurueckhaltend sind die Iranis in ihrer Gastfreundschaft. Ohne zu ueberlegen werden wir zum Familienpicknick eingeladen oder geraten unter die Obhut einer ebenfalls weiter- reisenden Familie. Abschlagen koennen wir kaum eine Einladung oder ein gesuchtes Gespraech. Bei unseren Gastfamilien fuehlen wir uns willkommen, ohne unter Druck zu geraten oder uns als Nutzniesser zu fuehlen. Wir duerfen Einblick ins alltaegliche Leben nehmen und ihnen einen Eindruck unseres Lebens vermitteln. Bereichernde Gespraeche nehmen ihren Lauf und Freundschaften werden geschlossen. Dennoch, in Tehran erleben wir zwei Mal, dass uns Fruechteverkaeufer keine Orangen verkaufen wollen. Warum, kann uns niemand erklaeren... Rueckblickend empfinden wir den Iran als modern, ohne voellig verwestlicht auf uns zu wirken und ohne seinen traditionellen Gepflogenheiten Adieu gesagt zu haben... Von der politischen Struktur und die in Bezug auf Religion etwas verkrampfte Beziehung abgesehen. |