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Historie & Neuzeit
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Historie & Neuzeit Der Traum vom guten alten... wie der Iran einmal war und heute ist 12.02. - 07.03.2004 / 23.11.- 17.12.1382 Einige hundert Kilometer weiter westlich, in der kulturell und historisch gewichtigen Stadt Shiraz, treffen wir dann tatsaechlich auf einen Querdenker. Der junge Mann, der wider- willig seinen Militaerdienst absolviert, fuehlt sich durch die staatlichen Einschraenkungen gefesselt, in seinen Entfaltungsmoeglichkeiten limitiert. Seinen Interessen, der Musik und der Poesie, kann er nicht wirklich nachgehen. Schon nur das kaufen einer Original-CD von Radiohead ist unmoeglich! Freie Meinungsaeusserung wird oeffentlich wie auch im privaten Kreis nicht akzeptiert, nicht einmal geduldet. Freiheit sei ein Fremdwort. Wieder unter uns, taucht ploetzlich die Frage auf, ob der Grossteil der iranischen Bevoelkerung die Regierung und deren Politik so hinnimmt wie sie momentan ist, weil es ihnen materialistisch gesehen gut geht: Wohnraum, der die durchschnittlichen Quadratmeter pro Person in Asien weit zu- rueck laesst, Haushaltsgegenstaende neuer Technologien, Handys fuer fast jedermann, fast kostenlose nicht erneuerbare Energien und gepflegte Strassen, die von massig privaten Autos befahren werden sind standard. Aber auch die oeffentliche Infrastruktur - Busbahnhoefe, Toiletten, Maerkte, Spitaeler und so weiter - ist in weiten Teilen des Landes hervorragend und - fuer uns noch eher ungewohnt - sogar unterhalten. Nur, wer die geistige Freiheit sucht, wird sich trotz des Zivilisationswohlstandes eingesperrt fuehlen. Unsere Auseinandersetzung mit fremden Laendern greifft mehr und mehr ueber den Kulturzaun hinaus. Immer oefters merken wir, dass Politik eine auch fuer uns tragende und nicht ausser Acht zu lassende Rolle spielt... und sind uns bewusst, dass wir bis vor unserer Reise nicht die politisch enga- giertesten und interessiertesten Buerger waren. Ein gutes Zeichen?!? Anyway, bei unserem Besuch in Persepolis lassen wir das Heute hinter uns und versetzen uns zurueck in die Zeit des Achaemenid Imperiums um 500 vor Christus. Das erste persische Reich erstreckte sich von Pakistan im Osten bis zur Aegaeiskueste der heutigen Tuerkei im Westen, eines der groessten in der Geschichte der fruehen Zivilisationen. Sie waren nicht nur die Ersten, welche ueber ein relativ gutes Strassennetz verfuegten, sondern auch die erste Regentschaft, welche einen Postservice, der sich ueber ihr gesamtes Territorium erstreckte, einfuehrte. Die heute sichtbaren Spuren zeigen vereinzelt hervorragende Steinmetzarbeiten und eine ausgekluegelte Arrangierung des Regierungssitzes. In der warmen Nachmittags- sonne treffen wir erneut auf die beiden Malaysier, Mei und Peter, die uns kurzerhand mit ihrem gemieteten Paykan mitnehmen und uns so die Rueckfahrt mit Savari - dem Sammel- taxi - und Bus ersparen... Abends, beim gemeinsamen Nachtessen in einem edleren Rest- aurant, erfahren wir viel ueber ihre Reise durch die zentralasiatischen Staaten und lauschen den traditionellen Klaenger iranischer Musik. Ein kurzer Abstecher nach Bushehr laesst uns am Badeziel "Persischer Golf" zweifeln. Mal ganz abgesehen davon, dass Frauen in voller Montur baden muessen, ist das Wasser allzu braeunlich und das Wetter momentan aeusserst kalt. Kaum vorstellbar, dass es hier im Sommer bis zu 50 Grad Celsius wird! Unserer Reise durch den Iran geht es natuerlich nicht ab Esfahan, das wohl bekannteste Touristenziel des Landes, zu besuchen. Der erste Eindruck ist uns sympathisch: Eine Baek- kerei, die fruehmorgens frisches Sangak - gutes iranisches Fladenbrot - verkauft. Der zweite Eindruck gefaellt uns indes schon weniger: Wir werden oefters von hinten gegruesst. Auch nach ueber einem Jahr in Asien koennen wir dies noch immer nicht leiden! Daran gewoehnen wir uns einfach nicht. Begeistert, ja richtiggehend hingerissen sind wir von den Moscheen Es- fahans. Mit der typischen Architektur, der alles ueberragenden Groesse, den blauen, gruenen, tuerkisfarbenen und bunt bemalten Kacheln sind fuer den Anblick ein Kunstwerk der Extra- vaganz, eindrucksvoll und schlicht und einfach wunderschoen. Die persische Baustil, der sich durch ihre in die Spitze ziehenden Boegen und der schieren Unendlichkeit der Kacheldekoration auszeichnet, gefaellt uns sehr gut. Das sandfarbene Gestein und die verspielten Muster ent- fuehren einem in die Welt orientalischer Maerchen. Wieder zurueck auf festem Boden, tun wir es den Iranis gleich und lassen die Chelo Kababs - luftig lockerer Reis mit zu Streifen gepresstem und gehacktem Lammfleisch - bei Seite. Heute und auch schon mal bei anderen Gelegenheiten essen wir Hamburger, Sandwiches oder gar Pizzas a la Iran... geschmacklich ganz gut und meist frisch gebrutzelt oder gebacken. Selbstverstaendlich fehlt das Zam Zam dazu nicht, welches je nach Lust und Laune schwarz oder orange ist, sprich Coci- oder Orangengeschmack hat. Zugegeben, im anti-amerikanischen Iran muss man keine Angst haben einen McDonalds oder Burger King zu finden, doch auch der iranische Fastfood ist nicht das gelbe vom Ei. Richtig schmackhaftes Essen scheint man im Iran eher im Privaten, bei den Leuten zu Hause zu finden. Spannend finden wir das in Yazd entwickelte System der archaischen Klimaanlage. In der weitlaeufigen, gut erhaltenen Altstadt finden sich unzaehlige sandbraune, mit einer Mischung aus Stroh und Dreck verputzte Haeuser. Die Gassen sind eng und verwirrend angelegt... Ein guter Orientierungssinn ist gefragt. Um im Sommer der gleissenden Hitze zu entkommen, haben die Bewohner schon in alten Zeiten eine Art Klimaanlage entwickelt. Die ueber alle Daecher hinausragenden Windtuerme, sogenannte Badgirs, fangen jeden auch noch so leichten Luftzug ein. Diese Luft wird ueber ein Tunnelsystem geleitet, das erst ueber ein Was- serbecken fuehrt damit die Luft abkuehlt, um anschliessend dem Wohnraum als kuehlende Luft zugefuehrt zu werden. Der eigenwillige Bau funktioniert nicht so wirkungsvoll wie die modernen Klimaanlagen von LG oder Hitachi, ist aber mit Bestimmtheit gesuender, umwelt- freundlicher und energiesparender... Haben wir nicht einmal gelesen, dass die Geschlechterteilung - Maenner vorne, Frauen hinten etcetera - auf Irans Schienenverkehr nicht gilt? Frauchen und Maennchen koennen im selben Abteil sitzen, egal wo und neben wem. Denkste. Unsere erste und letzte Zugfahrt strapaziert unsere Geduld. In Yazd spaet abends zugestiegen ist unser sechser Abteil prall gefuellt. Erst das Wedeln mit unseren Billetten laesst die Passagiere verstehen, dass wir die zwei Fenster- plaetze reserviert haben. Kaum Platz genommen, das Gepaeck so gut wie moeglich verstaut, will einer der jungen Maenner Doris heissen aufzustehen und das Abteil zu wechseln. Warum? Wieso? Mit Deutungsversuchen und Sitzenbleiben machen wir zu verstehen, dass wir diese nur einige Stunden dauernde Nachtfahrt ganz bestimmt nicht getrennt, in zwei verschiedenen Abteilen verbringen werden. Die Iranis diskutieren hin und her, Mal mit Kondukteur und Zug- uehrer, Mal wieder unter sich. Schlussendlich werden nochmals zwei junge Maenner ausquar- iert und ein aelteres Ehepaar einzuquartiert. So kommen wir nach einer fuer uns amuesanten Schmunzelstunde endlich zur Ruhe... Doris, wie es sich gehoert, neben einer Frau sitzend, Aldo neben einem Mann. Der dritte Sitz neben der Frau bleibt leer, obwohl der Zug ziemlich gut gefuellt ist. Bereits dreieinhalb Stunden spaeter heisst es fuer uns wieder aussteigen... werden sie jetzt wieder ein Stunde diskutieren, wer denn nun neben wem sitzen darf? Willkommen in Kashan - Morgens um 3.45 Uhr. Draussen herrscht klirrende Kaelte, doch zu unserem Glueck ist die Wartehalle geoeffnet und in jeder Ecke ein Gasofen zu finden. Mehr oder weniger halten wir uns warm und doesen bis zur Daemmerung auf einer Sitzbank. Fuer einmal stellt uns das Gasthaus, in welchem wir naechtigen, auf. Froehlich pfeifen die Voegelchen auf dem Gang :-) Just in time bei unserer Ankunft frueh morgens... So schoen. Uns ist nicht bewusst, dass Kashan ebenfalls zur Gruppe der konservativsten Staedte des Landes gehoert. Wir staunen ueber die zu fast 100 Prozent im schwarzen Tschador ge- kleideten Frauen auf den Strassen. Keine bunten Schals als Kopftuch, keine beigen oder schwarzen Maentel, welche ein gewisses Modebewusstsein a la 21. Jahrhundert wie noch in Shiraz oder Esfahan an den Tag legen. Nichts dergleichen. Ausserhalb der Stadt treffen bei der Suche nach einer alten Moschee auf einen Englischlehrer, seine Frau und deren kleine Tochter. Ohne lang um den heissen Brei herumzureden, laden uns Rezvan und Mahdi spontan ein, bei ihnen zu uebernachten. Wir seien nicht die ersten auslaendischen Gaeste und sie wuerden es sehr schaetzen Zeit mit uns zu verbringen, uns die Stadt und Umgebung zu zeigen und so weiter. Logischerweise sind wir fuer heute bereits im Hotel einquartiert, aber nach dem kurzen Abwaegen unter uns, sagen wir zu morgen zu ihnen umzuziehen. Ueber die naechsten beiden Tage wird uns dann auch das Vollprogramm geboten. Waehrend Doris mit Rezvan ins oeffentliche Schwimmbad geht, um ihr bei der Arbeit als Bademeisterin zuzu- schauen und selbstverstaendlich zu schwimmen, geniessen Aldo und Mahdi den Nachmittag mit Billard und Schach spielen. Die beiden jungen Iranis sind sehr offen und gespraechig, doch sobald das Thema Richtung Religion neigt empfinden wir ihre Ansichten beaengstigend konservativ und engstirnig. Auch der an und fuer sich strengstens verbotene Satelitten Empfang samt BBC, CNN, Trickfilmsendern und freizuegigen Kanaelen scheint diesbezueglich (noch) keinen Einfluss auszuueben. Dass der Islam den Alltag, die Handlungen und Entscheid- ungen der meisten Iranis beeinflusst merkten wir bald und die Tatsache wird uns in Gespraechen mit Lokalen auch immer wieder bewusst. Gepraegt wird das taegliche Leben im Iran durch die vielen Gedenk- und Trauertage an verstorbene Propheten und in den Heiligenstatus gehobene Religionsfuehrer. In diesen Tagen trauert die ganze Nation - und mit ihr Millionen von Muslims in anderen Staaten - um Emam Hossein, einem von den Schiiten als Nachfolger des Propheten Mohammed angesehenen Nachfolger. Jede Frau und oft auch junge Maedchen laufen ganz in Schwarz gehuellt herum und Gruppen von Maennern prozessieren in klagender Manier traurige Loblieder singend durch die Strassen und engen Gassen des gedeckten Bazaars von Kashan. Vom ruhigen, friedvollen Kashan dauert es nur eine kurze Busfahrt, um nach Tehran zu ge- langen. Die Hauptstadt ist mit geschaetzten 16 Millionen Einwohnern eine der groessten Staedte weltweit. Saemtliche Iranis, welche wir bis anhin kennengelernt haben, warnten uns vor der grossen Stadt. Diese sei mit Autos verstopft, unter einer riesigen Smogglocke und es wimmle nur so von Menschen... ueberall. Wir fahren an einem Freitag Mittag ein und unser erster Ein- druck ist gewaltig. Die Staedtgrenze ist wie mit einem Lineal gezogen. Die letzten Siedlungen grenzen sich "sauber" von der Steppe und den Feldern ab. In weiter Entfernung koennen wir die imposanten, bis knapp 5000 Meter in die Hoehe ragenden Berge des Albroz-Gebirges ausmachen. Die Wand grenzt die Stadt ebenso eindeutig nach Norden hin ab wie es die deut- liche Stadtgrenze gegen Sueden hin tut. Hat uns die Lage Tehrans beinahe aus den Socken gehauen, so empfinden wir die Stadt durch die Strassen laufend beinahe gemuetlich. Vielleicht liegt es auch daran, dass Freitag - im wahrsten Sinne des Wortes "Frei", denn die Iranis machen nicht am Sonntag, sondern eben am Freitag Pause - ist. Und auch die Tage danach laesst sich's ganz gut aushalten. Am riesigen und bis kurzem politisch sehr stark einfluss- nehmenden Bazaar findet sich so ziemlich alles. Was darf es denn heute sein? Getrocknete Fruechte, Tabak, Plastikschuhe oder vielleicht doch ein Buegeleisen der Firma Bousch, Boosch, Tefall, Tefalle, Teafall, Moulinet oder lieber ein Staubsauger von Semans, Samsong, Natinul, Bushe, Sunny, Tulips oder gar Tosheeba? Ein derart vielseitigen und einfallsreichen Markenklau haben wir selbst in Suedostasien oder China nicht entdeckt! Wir amuesieren uns koestlich. Dem Umstand dankend, dass es keine Rickschaws im Iran gibt, haelt sich der Smog ueber Tehran in Grenzen. So zumindest ist unser Gefuehl... Bis wir den Tochal Berg hinauf spazieren und ausser einer braun-grauen Suppe ueber Tehran kaum etwas erkennen koennen. Dafuer entdecken wir am Berg ganz andere Sachen: Maennlein und Weiblein halten Haendchen... Eine sehr ungewoehnliche, aber in Tehran oft goutierte, Geste in islamischen Laendern. Dass das Verbotene lockt wissen wir spaetestens seit dem Satelitten-Empfaenger bei Rezvan und Mahdi. Und auch hier, entlang des Wanderweges, stolpern wir schon fast ueber die herumliegenden, aus der Tuerkei importierten Bierdosen. Die heile Scheinwelt gibt es wohl in jeder Ecke der Welt. Hatten wir in Tehran bereits den Duft des Fruehlings in der Nase, ruettelt uns in Takab die klirrende Kaelte des Winters wach. Wir erreichen unseren Dreh- und Angelpunkt zu Takht-e Soleiman in der Dunkelheit der Nacht morgens kurz vor 4 Uhr. Das iranische Leben spielt sich zum grossen Teil in den heimischen vier Waenden, zu Hause, ab. Wir finden kein geoeff- netes Lokal oder aehnliches wie noch anderswo in Asien. Deshalb verkriechen wir uns in einen Rohbau, wo wir wenigstens vom beissenden Wind geschuetzt sind und uns auf unserem Ruck- sack sitzend den wehrten Hinterteil nicht abfrieren. Sitzend und so gut wie moeglich eingemum- melt doesen wir bis zum Tagesanbruch. Mit einem Savari - dem hiesigen Ausdruck fuer ein geteiltes Taxi - fahren wir zum 40 Kilometer entfernten Takht-e Soleiman... Einer noch unter Schnee liegenden archaeologischen Staette, die auf einem scheibenfoermigen Huegel liegt und neben einem Quellensee ueber etliche Ruinen verfuegt. Allzu viel bekommen wir nicht zu Ge- sicht. Das Meiste liegt noch unter einer weissen Decke, dafuer scheint die Sonne und es wird fast so etwas wie warm ;-) Das Hinfahren glich einem Kinderspiel. Jetzt wo es ums Zurueck- fahren geht, dauert es. Doch eigentlich stellen wir uns vor, bereits in einem Bus auf dem Weg ins noerdliche Tabriz zu sitzen. Wir hocken am Strassenrand und warten fast vergeblich auf einen vorbeifahrenden Wagen. Nach Stunden ;-) rollen Mohammed und Rezfan an. Wieder in Takab merken wir bald, dass es aufgrund der anstehenden Trauertage schwierig ist einen Bus in irgendeine Richtung zu finden. Die beiden meinen, dass wir die Zeit erst mit einer Tasse Tee, dann mit dem Besuch eines kleinen Dorfes und einer der vielen Teppichknoepferfamilien ver- weilen sollen. Gesagt, getan. Wir meinen wieder auf der Rueckfahrt nach Takab zu sein, als Mohammed "falsch" abbiegt und es sich schlussendlich nicht nehmen laesst, uns bis nach Bijar zu fahren... Notabene ueber 90 Kilometer entfernt. Die zwei scheinen eine riesige Freude daran zu haben, mit uns durch die Gegend zu kurven, etwas zu plaudern und uns zu helfen. Im groesseren Bijar versuchen wir unser Glueck erneut und nach langem Warten finden wir ein privates Auto - heute zum Savari umgemuenzt - bis nach Zanjan. Mal wieder an einer Ecke stehend auf einen Bus nach Tabriz wartend, treffen wir auf eine junge Familie. Es ist inzwischen dunkel, ein kalter Wind weht und nach einigen gewechselten Worten, schlaegt Shahryar vor, dass wir ihn und seine Familie zur Schwester begleiten und es einige Stunden spaeter noch- mals damit versuchen einen Bus nach Tabriz abzufangen. Warum nicht? In einer netten Dreizi- mmerwohnung eines relativ neuen Hauses werden wir alle herzlich empfangen und bald schon steht das dampfende Nachtessen auf dem Boden. Die Schwester Akrams holt selbst den gut englisch sprechenden Dariyoush herbei, dem es sichtlich Spass macht mit uns zu plaudern und zu uebersetzen. Kurz vor Mitternacht machen wir uns zu sechst wieder auf die Socken und warten an einem grosses Kreisel erneut auf einen Bus Richtung Tabriz... Waehrend einer Stunde fahren etwa drei Busse in die gewuenschte Richtung, doch keiner scheint irgendwen mitnehmen zu koennen, zu wollen. Alle rauschen sie an uns vorbei. Dafuer fahren im wahrsten Sinne des Wortes unzaehlige Busse, fast im Minutentakt, Richtung Tehran - die falsche Richtung. Die beiden Buben (und wir) sind muede und moechten eigentlich nichts anderes als schlafen. Wir kapitulieren und fahren erneut zurueck zur Schwester. Letztenendes, gegen zwei Uhr morgens liegen wir alle quer durch die Wohnung verteilt auf Matten und Decken, um doch noch eine Prise Schlaf zu erhaschen und es morgen frueh erneut zu versuchen. Ein Tag unter dem Motto: "Ein langer Tag an Strassenraender, eine lange Nacht in Zanjan." Mit etwas mehr Glueck nimmt uns heute morgen ein Bus mit und nachdem wir nochmals umge- stiegen sind, erreichen wir kurz vor Mittag Tabriz. Du kannst dir vielleicht vorstellen, was uns erwartet. Akram und Shahryar lassen uns nicht einfach so gehen, sie bestehen darauf, dass wir bei ihnen wohnen. Und weil uns die Familie mit den Buben Salman und Purya, die unterschied- licher nicht sein koennten, sehr, sehr symphatisch ist, sagen wir gerne zu. So verbringen wir die Tage mit dem Flanieren durch die Stadt und die Abende mit den Shokpours. Wir finden uns in Ge- spraechen ueber die Natur, Berge, das Wandern und lassen uns interessiert die von Akram und Shahryar gestalteten traditionellen iranischen Kunsthandwerke zeigen. Unsere Tage in Tabriz sind herrlich und es faellt uns schwer, zur letzten Station im Iran aufzubrechen. Maku. Trotz des allgegenwaertigen Islam geht die Geschichte Irans weiter zurueck als 622 oder so nach Christus. Zeichen dafuer sind die insbesondere im Nordwesten zu findenden Armenische Kirchen. Die Qareh Kalisa in der Naehe von Maku ist ein seltenschoenes und gut erhaltenes Bei- spiel. Nur einige wenige Haeuser zaehlt das Dorf und einmal pro Jahr wird die kleine Siedlung zum Jahrmarkt erweckt, weil hunderte von Glaeubigen aus allen Teilen des Irans herbeikommen, um den heiligen Sankt Thaddaeus zu feiern und zelebrieren. Heute spueren wir ausser der laend- lichen Ruhe und dem scheuen Sonnenschein nichts. Danach heisst es fuer uns einmal mehr: Ausreisen. |